alfred watzl

1999 | Bauingenieurwesen

Alfred Watzl war 1999 der allererste Bauingenieur-Absolvent der THD. Er versichert allen Studierenden der Hochschule, dass sie optimistisch in die Zukunft blicken können und das sie auf dem Arbeitsmarkt überdurchschnittlich gefragt sein werden.

Beruflicher Werdegang

Im 2. Praxissemester wurde ich über die STRABAG International GmbH in Polen als Bauabschnittsleiter eingesetzt (März–Juli 1998 in Bytom bei Katowice, Bau eines Einkaufszentrums für die dt. Metro Gruppe) und erhielt schon während des Praktikums ein Jobangebot als Bauleiter durch den damaligen STRABAG-Chef in Polen, unter der Voraussetzung, spätestens im Oktober 1999 ein abgeschlossenes Bauingenieurstudium vorweisen zu können. Dies war Motivation und Druck zugleich, mein Studium an der THD in acht Semestern, inklusive Diplomarbeit, abzuschließen (u .a. aus diesem Grunde war ich wohl der allererste Bauingenieur-Absolvent).

Mein erster Job war der eines Bauleiters bei STRABAG für das Bauvorhaben Real (Metro Gruppe) in Lublin. Danach wurde ich Projektleiter des Metro Einkaufszentrums in Krakau, ein Prestigeobjekt mit 26 Mio. € Auftragsvolumen. Hier war sehr selbstständiges Arbeiten notwendig. Der Aufbau eines Teams, die Kooperation mit der Kundin (inkl. der Metro-Geschäftsführung) und nicht zuletzt die interkulturelle Zusammenarbeit (deutsch, österreichisch, polnisch) vermittelten mir früh wichtige Führungskompetenzen im technischen, aber auch im kaufmännischen und personellen Bereich. Während der Teamleitung, z. B. eines ECE Shoppingcenter-Projekts mit einem Auftragswert von 50 Mio. € wurde der STRABAG-Vorstand in Wien auf mich "aufmerksam" und ich wurde Bereichsleiter für Groß- und Sonderprojekte in ganz Polen.

Im Januar 2004 folgte die Berufung in den Landesvorstand. Als techn. Direktionsleiter zeichnete ich verantwortlich für den Hoch- und Ingenieurbau von STRABAG in Polen, den Aufbau einer nachhaltigen und landesweiten Organisation vom Projektgeschäft zum Flächengeschäft, die Gründung von Niederlassungen etc. Ab Januar 2013 war ich als technischer Unternehmensbereichsleiter verantwortlich für alle operativen Geschäftsfelder in Polen (Verkehrswegebau, Hoch- und Ingenieurbau, Brückenbau, Bahnbau, etc.) mit ca. 900 Mio. € Jahresleistung und ca. 5.000 Mitarbeitenden.

Seit Januar 2019 bin ich nun Vorstandsmitglied der Konzernholding STRABAG SE, verantwortlich für das Segment Nord + West (Deustchland, Polen, Skandinavien, Benelux) mit ca. 8,0 Mrd. € Jahresleistung und ca. 25.000 Mitarbeitenden. 75.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des STRABAG SE-Konzerns erbringen ca. 16,3 Mrd. € Leistung, was STRABAG zum fünftgrößten Bauunternehmen Europas und zum vierzehntgrößten Bauunternehmen der Welt macht.

Schwelgen erlaubt: erinnern Sie sich an Ihre Studentenzeit

Als erster Jahrgang im Studiengang Bauingenieurwesen mussten wir uns zusammen mit den Professoren viel selbst erarbeiten – es gab weder für die Profs noch für die Studierenden eine "Blaupause". Dies war sicherlich mit viel Mehrarbeit verbunden; der große Vorteil aber war,  dass wir uns sehr intensiv engagieren und Verantwortung übernehmen mussten. Dadurch haben viele Studierende auch ein enges Verhältnis untereinander, aber auch zu den Profs aufgebaut – es herrschte insgesamt eine Art Pionierstimmung. Ich habe in der Zeit auch mit Kommilitoninnen und Kommilitonen den "Verein der Deggendorfer Bauingenieure e.V.- VD-Bau" gegründet (mit formaler Unterstützung durch Prof. Scherer) und war erster Gründungsvorsitzender.

Mitte/Ende der 1990er Jahre war Deggendorf ein sehr beliebter Treffpunkt für junge Menschen im Umkreis von 100 km, d. h. das Angebot an Kneipen, Partys etc. konnte locker und gerne eine 7-Tage Woche füllen – was uns manchmal vor große Herausforderungen hinsichtlich der Anwesenheitspflicht bei einigen Kursen stellte – das Entwickeln von Soft Skills während des Studiums war aber auch wichtig. Daher war diese Zeit nicht vergeudet.

Besonders zu der Zeit war auch, dass wir uns auch nach den Vorlesungen geschlossen mit Professoren z. B. auf dem Christkindlmarkt getroffen haben – wie gesagt, wir mussten uns viel gemeinsam "erarbeiten".

Was möchten Sie den aktuellen Studierenden mit auf den Weg geben?

.. sich nicht einzig und allein auf reines Fachwissen zu verlassen!

Im Zeitalter der Digitalisierung und zunehmenden Anonymität werden Social Skills noch wichtiger. Eine technisch fundierte Ausbildung war und bleibt eine grundsätzliche Voraussetzung, aber: Da unsere Prozesse auf Baustellen und baustellennahe Abläufe immer komplizierter werden, ist die Fähigkeit, im Team zu arbeiten, unerlässlich. Hier spielt die persönliche Kommunikationsfähigkeit aller Beteiligten eine große Rolle. Leider verkümmern diese Fähigkeiten im Zeitalter der Digitalisierung, weil die elektronische Kommunikation dominiert. Der persönliche Kontakt und Diskurs wird vermieden, weil er vielleicht "anstrengender" ist?!

Trotz fortschreitender Digitalisierung steht im Bauwesen immer noch der Mensch im Mittelpunkt, d. h. wir haben täglich mit Menschen zu tun: Kollegen, Vorgesetzte, Kundinnen, Nachunternehmen etc.. Engagement, Übernahme von Verantwortung, Respekt, Innovationsfreude, Empathie etc. sind notwendige Werte, damit ein Unternehmen und unsere Gesellschaft nachhaltig erfolgreich agieren kann. Diese Werte müssen aber von allen Menschen in einer Organisation gelebt werden.

Werte können übrigens nicht von Maschinen oder Künstlicher Intelligenz ersetzt werden!

Aus diesem Grunde kann ich nur dazu ermuntern, sich bereits während des Studiums weitergehend zu engagieren und Verantwortung zu übernehmen, wie z. B. in Studierenden-Vereinigungen. Das berühmte "Über-den-Tellerrand-schauen" ist aktueller denn je zuvor. Informieren Sie sich bitte, welche Herausforderung die Digitale Transformation für Mitarbeitende und Führungskräfte mit sich bringt. Das Karussell der Veränderungen dreht sich immer schneller.

So können Sie aber sehr optimistisch in die Zukunft blicken: Bauingenieurinnen und Bauingenieure mit einer fundierten Ausbildung, einer "anständigen" Portion der oben genannten Werte und sozialer Kompetenz sind und werden weiterhin auf dem Arbeitsmarkt überdurchschnittlich gefragt sein.

Aber jetzt erst einmal: Genießen Sie Ihr Studium – besonders das Socializing!

Viel Erfolg dabei!

Ihr Alfred Watzl

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