20151110 fluechtlingeHochschule gibt Flüchtlingen mit dem Status „Austausch-Student“ die Möglichkeit zum Studium

Ayat, Muhammad und Zaher studieren an der Technischen Hochschule. Die junge Frau und die beiden Männer wirken fröhlich, sie haben Zukunftspläne, Visionen – und einen gänzlich anderen Hintergrund als ihre Studienkollegen. Ayat und Zaher sind aus Syrien geflohen, Muhammad kommt aus Pakistan. Die Technische Hochschule hat den Flüchtlingen den Status von Austausch-Studenten  verliehen – und so große bürokratische Hürden umschifft.

Sabrina Hartmann ist an der TH Ansprechpartnerin im International Office, einem Institut im Zentrum für Karriere, Internationales und Sprachen. Sie ist seit rund einemJahr die zentrale Ansprechpartnerin für die Flüchtlinge. „Die ersten Studenten aus Syrien kamen noch mit einem Studentenvisum“, erinnert sie sich. Sie hätten sich anfangs auf das Erlernen der Sprache konzentriert. „Seit dem aktuellen Semester haben wir vermehrt Anfragen von Flüchtlingen, die bei uns ein Studium aufnehmen wollen“, so Hartmann. Das größte Hindernis seien dabei oft die fehlenden oder unvollständigen Papiere. Institutsleiterin Dr. Elise von Randow: „Wir haben eine Möglichkeit gefunden, die Flüchtlinge als Austauschstudenten an unserer Hochschule aufzunehmen.“ Weil das Hochschulgesetz vorschreibe, dass niemand ohne Hochschul-Zugangsberechtigung eingeschrieben werden darf und weil ein vorgeschriebenes Niveau an Sprachkenntnissen nötig sei, um Zugang an einer Hochschule zu finden, viele Flüchtlinge aber keine Papiere bei sich hätten, berufe sich die Deggendorfer Hochschule auf den Austauschstudenten-Status. „Unter Anrechnung aller Studienleistungen kann man die Studentinnen und Studenten dann zu einem späteren Zeitpunkt regulär einschreiben,wenn sie alle Papiere beisammen haben“, freut sich von Randow. Es gebe aber auch Stimmen, die dies für ungerecht halten. „Die Studenten zahlen aber pro Semester 52 Euro für den Service des Studentenwerks“, erzählt die Institutsleiterin. „Sie zahlen das gerne und haben uns gesagt, dass es ihnen eine Ehre sei, sich so für unsere Unterstützung zu bedanken.“ Ayat, Muhammad und Zaher können das nur bestätigen.

Zaher (20) lebt mit seinen beiden Brüdern (19 und 9) in einer Unterkunft in Viechtach, zum Pressegespräch hat er Viechtachs Vizebürgermeister Christian Zeitlhöfer mitgebracht. Der studiert selbst Maschinenbau in Deggendorf und kümmert sich um Zaher und einen weiteren Syrer. „Das größte Problem, das wir jetzt noch haben“, erzählt er, „ist die Anfahrt nach Deggendorf.“ Weil Zeitlhöfer nur am Freitag eine Mitfahrgelegenheit anbieten kann, ist Zaher, der General Engineering studiert, auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Mit verschiedenen Bussen fährt er nach Deggendorf und wieder zurück, so ist er manchmal um Stunden zu früh an der TH oder kommt erst spät nach Hause. „Vielleicht findet sich ja noch irgendeine Mitfahrgelegenheit“, hoffen die beiden.
Muhammad studiert ebenfalls General Engineering, er hat in Helga Przybyllok aus Niederalteich eine Förderin gefunden, sie hilft dem jungen Mann bei Behördengängen und unterstützt ihn. Muhammad lebt im Moment im Hengersberger Caritas-Altenheim, dort war er mit einem weiteren jungen Flüchtling auch in den vergangenen eineinhalb Jahren untergebracht, die Einrichtung durfte er nicht verlassen. Die wiedergewonnene Freiheit ist für ihn das Größte.
Ayat studiert International Management, sie lebt mit ihren Eltern und zwei Brüdern inDeggendorf, eine Schwester lebt in Frankreich, ein weiterer Bruder in Schweden. „Ich habe seitmeinem Studienabschluss 2007 in Syrien gearbeitet, jetzt habe ich hier eine zweite Chance, sagt sie. Drei Menschen, die viele Hürden genommen haben und noch nehmen müssen. Eines teilen sie: Sie sind glücklich und dankbar.

So hilft die Hochschule in der Erstaufnahmeeinrichtung

Die Hochschule unternimmt vielfältige Bemühungen, den Flüchtlingen zu helfen, ihnen Wissen zu vermitteln und sie zu unterstützen.
Dazu zählen die Sprachkurse, die von Studierenden und Mitarbeitern der THD in der Erstaufnahmeeinrichtung angeboten werden. Elise von Randow, Leiterin des Instituts für Karriere, Internationales und Sprachen: „Das Erlernen der deutschen Sprache ist für uns eine wichtige Voraussetzung, um den Studenten Perspektiven bieten zu können.“ So wolle man nicht für den „luftleeren Raum“ ausbilden, sondern Wissen vermitteln, das anschließend in der Praxis, in Unternehmen und auch im Kontakt mit Kollegen und Kunden angewandt werden kann. Randow: „Im Sommersemester haben wir einen Sprachkurs für Leute ohne Deutschkenntnisse  angeboten, außerdem gibt es online einen Einstufungstest, mit dem man seinWissen prüfen kann.“ Die Syrer seien sehr sprachbegabt, attestiert Elise von Randow, wohl auch, weil Arabisch eine hochkomplexe Sprache sei. Weitere Besonderheit an der TH: Neben der Sprachvermittlung durch Fachlehrer würden sich auch Studenten als Tutoren darum bemühen, nach dem Unterricht die Konversation zu üben.

10.11.2015 | PNP-Florian Mittermeier

Bildnachweis: Roland Binder


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