Nach einer rekordverdächtigen Bauzeit von knapp sechs Monaten ist am Samstagmittag das Technologietransferzentrum der Hochschule Deggendorf mit dem Schwerpunkt Optische Technologien in Teisnach mit einem Festakt eröffnet worden.

„Heute ist ein ein großer Tag für den Markt Teisnach. Nicht jeden Tag wird eine kleine Gemeinde mit einem Hochschulstandort bedacht“, mit diesen Worten begrüßte die über das ganze Gesicht strahlende und sichtlich stolze Teisnacher Bürgermeisterin Rita Röhrl die Gäste, als sie ans Rednerpult trat.

Insgesamt rund 280 Gäste waren dazu ins neu gebaute FH-Gebäude gekommen - darunter eine Reihe hochkarätiger Politiker wie Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch und Landwirtschaftsminister Helmut Brunner sowie mehrere Bundestags- und Landtagsabgeordnete, Landrat Heinz Wölfl und zahlreiche Bürgermeister oder Bürgermeister-Stellvertreter aus dem gesamten Landkreis Regen, Vertreter der Geistlichkeit, die Planer und Architekten, Vertreter der Baufirmen, der Geistlichkeit, der Behörden und Schulen sowie aus der Wirtschaft. Auf einer Videoleinwand wurde die illustre Gästeschar aufgelistet und begrüßt.

Hochschulcampus als Impuls für die Region

„Für uns Teisnacher ist das eine große, eine tolle und unglaubliche Geschichte“, sagte Bürgermeisterin Rita Röhrl bei ihrer Ansprache. Das Volumen von 40 Einfamilienhäusern sei hier in den vergangenen Monaten verbaut worden. Und dass nun Einweihung gefeiert werden könne, sei der Verdienst vieler, allen voran der Mitarbeiter der am Bau beteiligten Firmen: „Ihr habt eine Glanzleistung vollbracht.“

Respekt zollte sie auch dem Marktrat und den Teisnacher Bürgern. „Alle Markträte und auch die Bevölkerung standen wie ein Mann“ hinter dem Projekt -auch als sich herausstellte, dass die angedachten vier bis fünf Millionen Euro für den Bau des Technologietransferzentrums nicht ausreichen würden und die Investition letztlich rund 13 Millionen Euro kostete. „Sie alle haben verstanden, dass diese Einrichtung eine Zukunftschance für die Gemeinde und die ganze Region ist“, betonte Röhrl. Sie dankte in diesem Zusammenhang der Firma Rohde & Schwarz, die maßgeblich dafür mitverantwortlich sei, dass Teisnach den Zuschlag für das Technologietransferzentrum erhalten habe.

Ziel sei es nun, die an der FH ausgebildeten Studenten in der Region zu halten und für sie hochqualifizierte Arbeitsplätze zu schaffen. „Denn die Menschen in unserer Heimat möchten hier bleiben können“, betonte Röhrl. Ihr großer Wunsch sei es daher, dass mit der Ansiedlung des Technologietransferzentrums ein Impuls ausgehe, von dem die ganze Region profitieren werde.

Dass dies gelingen wird, davon ist Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch bereits jetzt überzeugt. Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen war der FDP-Politiker nach der Grundsteinlegung erneut nach Teisnach gekommen. Und das sehr gerne, wie er zu Beginn seiner Rede betonte. ,,Ich habe eine Affinität zu Niederbayern und bin bereits als Kind mehrmals im Bayerischen Wald gewesen“, sagte er. Seit elf Monaten sei er nun Wissenschaftsminister und er habe in dieser Zeit Bayern kennen gelernt. Obwohl selbst auf die Zentren fixiert, habe er gelernt, dass „Bayern lebt von den Regionen, sie sind das Herz und die Seele des Landes“, sagte Heubisch und erntete dafür großen Applaus. An Bürgermeisterin Rita Röhrl gerichtet, meinte er am Ende seines Festvortrags: „Ich bin überzeugt, das war nicht Ihr letzter Coup, ich warte schon auf Ihre Vorschläge“. Die Antwort darauf kam prompt. „Ich habe nur auf so eine Aufforderung gewartet, Teisnach steht bereit“, sagte Röhrl.

FH-Präsident Professor Dr. Reinhard Höpfl betonte, im Technologiecampus Teisnach seien modernste Labors für Optische Technologien entstanden. „Damit wird der Hochschule Dcggendorf Forschung, Entwicklung und Lehre auf höchstens Niveau in einer zukunftsträchtigen Schlüsseltechnologie ermöglicht.“ Mit der Regionalisierung von Lehre und Forschung in Kooperation mit dem Markt Teisnach und der Wirtschaft gehe die Hochschule Deggendorf einen neuen, zukunftsweisenden Weg. ,,Wirtschaft und Wissenschaft werden noch enger verzahnt und bilden eine Allianz, eine einzigartige Verbindung von Forschung, Lehre und Praxis und dies auf einem nobelpreisgekrönten Gebiet, der Optischen Technologien“, betonte Höpfl.

Wie die Idee entstanden ist, Forschung und Lehre aufs Land zu verlagern, erklärte Professor Dr. Peter Sperber, der das Technologietransferzentrum zusammen mit seinem Kollegen Professor Dr. Rolf Rascher leiten wird. „Der Technologiecampus in Teisnach wurde gebaut, weil wir in den Bereichen Optical Engineering und Hochfrequenz ein enormes wirtschaftliches Potenzial im Bayerischen Wald sehen.“ Er ging darauf ein, wie seit Beginn der Forschungsaktivitäten auf diesem Gebiet im Jahr 2001 eine anerkannte Forschungsgruppe an der Hochschule Deggendorf wurde, die mittlerweile mit Firmen und Institutionen in der Region, in ganz Deutschland und in der ganzen Welt zusammenarbeitet. Das habe aber auch zu Problemen geführt. „Es war schwierig, die mehr forschungsorientierten Aktivitäten mit nationalen und internationalen Partnern und die oft mehr dienstleistungsorientierten Fertigungsanforderungen der regionalen Partner zu kombinieren.“ Deshalb habe man davon geträumt, die produktionsorientierte Forschung in die Region zu den dort ansässigen Partnern zu verlagern. Mit dem Technologiecampus in Teisnach sei dieser Traum wahr geworden. Und wie sich zeigt, funktioniere das Konzept. „50 Prozent der Personalkosten können schon jetzt mit Drittmitteln finanziert werden, damit haben wir erst in zwei Jahren gerechnet, und die beiden Hallen des Gründercampus sind nun zu 100 Prozent vermietet. Das ist eine Erfolgsgeschichte“, freute sich Sperber.

Gründercampus ist zu 100 Prozent belegt

Grußworte sprachen Manfred Fleischmann als Vertreter von Rohde & Schwarz, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner, Bundestagsabgeordneter Ernst Hinsken und Landrat Heinz Wölfl. Fleischmann zollte dem Markt Teisnach und der Hochschule Deggendorf seinen Respekt „Das ist wirklich eine Investition in die Zukunft“, von der auch Rohde & Schwarz profitieren könne. „Wir investieren 20 Prozent unseres Umsatzes wieder in Forschung und Einwicklung, dafür brauchen wir das richtige Umfeld und die beste Mannschaft“, sagte er. Das Technologietransferzentrum mit Gründercampus sei ein Schritt dorthin. Zugleich „hoffen wir auf die Ansiedelung weiterer Unternehmen“.

Darauf setzt auch Landwirtschaftsminister Helmut Brunner: „Wir müssen die Arbeit zu den Menschen bringen und nicht umgekehrt.“ Brunner zeigte sich erfreut darüber, dass beim Bau auch der Rohstoff Holz verwendet worden sei. MdB Ernst Hinsken betonte, dass „heute ein großer Tag für Teisnach, den Landkreis und den ganzen Bayerischen Wald ist“, der zeige, “High Tech gibt es auch bei uns im Bayerischen Wald“. Für die Zukunft müsse noch mehr in Wissenschaft und Bildung investiert werden „nicht nur in den Ballungsräumen, sondern auch in den Regionen.“ Als „Meilenstein in der Entwicklung einer ganzen Region“ bezeichnete Landrat Heinz Wölfl die Eröffnung des Technologietransferzentrums.

Mit der Schlüsselübergabe und der Segnung des Hochschulgebäudes (siehe nebenstehenden Bericht) ging der Festakt zu Ende, der musikalisch von Isolde Pollwein (Violine und Klavier) und Michael Pollwein (Klavier) unter anderem mit Stücken von Christopher Norton, Johann Brahms und Gabriel Faurè umrahmt wurde. Es folgte ein gemeinsames Mittagessen in Halle 3.BU 1: Mit der Arbeit in den Laboren kann am Montag begonnen werden, davon überzeugten sich (von links) die Professoren Dr. Rolf Rascher und Dr. Peter Sperber, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch, Teisnachs Bürgermeisterin Rita Röhrl und der Präsident der Hochschule Deggendorf Professor Dr. Reinhard Höpfl bei einem Rundgang durch das FH-Gebäude.

„Das wird ein Erfolgsmodell“

Aus der Festrede des Wissenschaftsministers Dr. Wolfgang Heubisch

In seinem Festvortrag betonte Wissenschaftsminister Dr. Wolfgang Heubisch, dass das „Deggendorfer Modell“ der Hochschule Deggendorf mit seiner Ansiedlung von Technologie- und Firmencampus in den Regionen Marktführer im Wissens- und Technologietransfer sei. Denn „die Technologietransferzentren in Teisnach, Freyung und Cham fördern die Ansiedelung hochqualifizierter Arbeitsplätze in Ostbayern“.

Genau auf diese Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft setze die bayerische Forschungspolitik, „deshalb fördert der Freistaat den Wissens- und Technologietransfer von den Hochschulen in die Unternehmen durch ein Bündel von Maßnahmen“. Wissenschaft und Wirtschaft würden davon profitieren, weil die Hochschulen ihre Rahmenbedingungen für angewandte Forschung und Entwicklung verbessern, die Unternehmen die Kompetenz und Ausstattung der Hochschulen sowie deren Vernetzung in der Region nutzen und nicht zuletzt so die Weichen für die Ansiedelung neuer Technologiefirmen und Existenzgründer mit hochqualifizierten Arbeitsplätzen gestellt werden würden. ,,Das stärkt die gesamte Region“, betonte der Minister. Dafür sei das Geld des Freistaates, der knapp 4,4 Millionen Euro für die Startphase des Hochschulbetriebs bereit gestellt hat, gut angelegt.

„Dass wir in Ostbayern überhaupt Technalogietransferzentren eröffnen können, haben wir der Hochschule in Deggendorf zu verdanken“, lobte Heubisch FH -Präsident Professor Dr. Reinhard Höpfl und Professor Dr. Peter Sperber. “Ihre zündenden Gedanken brachten den Motor letztlich zum Laufen und er wird in der Region einiges in Bewegung setzen“, prophezeite der Wissenschaftsminister.

Einen Exkurs machte Heubisch in seiner Rede auch in die Gesundheitspolitik, nachdem er selbst derzeit bei den Koalitionsverhandlung von Union und FDP im Bereich Gesundheit vertreten sei. „Gesundheit ist unser höchstes Gut und sie ist uns lieb und teuer aber Geld, das wir in die Gesundheit stecken, fehlt für die Bildung“, meinte er. Dennoch sei es wichtig, sich für eine gute medizinische Versorgung auf dem Land einzusetzen. „Wir müssen die ambulante Versorgung auf dem Land stärken und wir brauchen insgesamt mehr Ärzte“, sagte Heubisch. Er habe dies bewusst hier einfließen lassen, weil es ein wichtiger Aspekt sei neben dem Wissenschafts- und Wirtschaftsaspekt Mit dem Wissenstranfer in die Regionen könne gegen die Landflucht angekämpft werden.

Viechtacher Bayerwaldbote/ Daniela Albrecht


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