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Die weltweit modernste und größte Optikmaschine wurde gestern in Teisnach angeliefert − Produktion von Teleskopspiegeln ab Ende 2013.

Hier ist sie also zu Hause, die Zukunft der Weltraumforschung. Nicht in den großen Metropolen. Nicht in den führenden Forschungszentren. Nein, im Bayerischen Wald soll der Blick ins Universum beginnen.

Knapp 3000 Einwohner hat Teisnach (Lkr. Regen). Kein typischer Bayerwald-Touristenort, dafür aber mit durchaus respektablen Industriebetrieben. Dennoch: Im Duktus des Städters hat sich dafür der Begriff "Provinz" eingeprägt. Und von hier aus soll sich eine technische Revolution ihren Weg bahnen?

Davon ist Diplom-Ingenieur Lutz Küpper überzeugt. "Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere Ziele erreichen", sagte der Leiter des IFaso-Projekts am Technologie Campus in Teisnach. Nach Jahren der Vorbereitung wurde dort gestern die größte Optikmaschine der Welt angeliefert. Die UPG 2000 − 85 Tonnen schwer und sieben Meter hoch − soll hier in Zukunft die präzisesten Teleskopspiegel auf dem ganzen Planeten fertigen. Drei Buchstaben und vier Zahlen, auf denen die Hoffnung einer ganzen Industriesparte liegt.

Die Hersteller der Teleskope sind in der Krise. Nicht weil es an Nachfrage mangelt − im Gegenteil: Sie kann nicht bedient werden. Nur vier große Produzenten versorgen derzeit den Markt; bis zu drei Jahre warten die Teleskop-Unternehmen auf einen einzigen Spiegel. Allein 800 Stück benötigt die Europäische Südsternwarte für ihr neues Großprojekt, das Weltraumteleskop E-ELT in Chile.

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Lieferverzögerungen machen die Kosten unkalkulierbar, der Zeitdruck drückt die Qualität. Vor diesem Hintergrund haben 2007 Prof. Dr. Peter Sperber, heute Präsident der Hochschule Deggendorf, Prof. Rolf Rascher, heute Leiter des Technologie Campus in Teisnach, und Diplom-Ingenieur Lutz Küpper das Forschungsprojekt IFaso erarbeitet. 2010 kamen Zusage und Fördergelder des Freistaats, spätestens ab Ende 2013 will man Teleskopspiegel herstellen und zu einem vertretbaren Preis auf dem Weltmarkt anbieten.

Von Anfang an war klar, dass man sich für den Standort Teisnach entscheidet, machte Prof. Dr. Peter Sperber gestern auf der Pressekonferenz deutlich. Etwa zeitgleich mit den ersten Überlegungen zu IFaso bemühte sich die kleine Bayerwaldgemeinde um das Technologietransferzentrum der Hochschule Deggendorf − und bekam den Zuschlag. Obwohl damals noch nicht klar war, dass das IFaso-Projekt jemals realisiert wird, wurde beim Campus-Bau im Jahr 2008 eigens eine Halle eingeplant, die für die Bedürfnisse des Projekts ausgelegt ist. Das "Küpper-Labor" hat eine Höhe von acht Metern sowie eine ein Meter dicke Bodenplatte, die isoliert aufgehängt ist und sämtliche Schwingungen unterbindet.

"Alles drin, was gut und teuer ist" - Die Maschine musste somit an die Maße der Halle angepasst werden, verrät Küpper. "Die Vorgabe war, dass sie da reinpasst." Sie passte − wenn auch knapp. Mit einem Autokran wurden gestern die drei großen Bauteile von den Schwerlastern gehoben und per Luftkissen langsam in die Halle geleitet. Dort wird die UPG 2000 die nächsten Wochen aufgebaut und ausgerichtet. Ende November sind erste Testversuche geplant. Küpper: "Wir hoffen, dass wir die Realisierung zügig voranbringen."

Die Theorie jedenfalls ist vielversprechend. Gegenüber den Maschinen, mit denen derzeit Teleskopspiegel produziert werden, hat der Aufbau in Teisnach einen entscheidenden Vorteil, erläutert Küpper: "Alle Arbeitsschritte sind in einer Maschine vereint." Schleifen, Polieren, Messen: Alles übernimmt die UPG 2000. Da die Spiegel so während der Produktion nicht bewegt werden müssen, kann präziser gearbeitet werden. Zudem besticht der Aufbau durch die neueste Technik. "Da ist alles drin, was gut und teuer ist", sagte Küpper.

Dennoch gilt auch in Teisnach, was nahezu überall in der Forschung gilt: Erst menschliches Verständnis treibt die Maschine zur Perfektion. "Der Schlüssel des Erfolgs wird im Verfahren liegen", sagt Küpper. "Daran tüfteln und arbeiten wir alle." Druck verspürt der 67-Jährige nicht: "Die Erwartungen erfüllen uns vielmehr mit Energie."

Wenn alles klappt, gehen Ende 2013 die ersten Spiegel "Made in Teisnach" in den Verkauf. In Serie sollen diese auf der ganzen Welt verkauft werden; etwa alle zwei Monate werde man einen neuen Spiegel produzieren können, schätzt Lutz Küpper. Dafür soll in absehbarer Zeit eine eigenständige Firma gegründet werden. "Es muss sich nur noch jemand finden, der das riskiert."

Quelle: Passauer Neue Presse (Bayern Ausgabe) vom 10.10.2012
Autor: Andreas Geroldinger


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