Dass der Region das Thema Energiewende auf den Nägeln brennt, bewies gestern der dritte „Netzwerktag Niederbayern“, der zu diesem Fachbereich in den Deggendorfer Stadthallen stattfand.

Über 650 Besucher - Chefs von Firmen, Behörden, Kammern oder Hochschulen - waren dazu gekommen. Am Ende waren sich alle mit dem bayerischen Wirtschaftsminister Martin Zeil einig, der betonte, nur gemeinsam könne die Energiewende bewältigt werden. Betriebe, Behörden und Hochschulen sollten sich noch stärker miteinander vernetzen und austauschen.

Zeil: Energiewende Wettlauf mit der Zeit

Den Atomausstieg nannte Zeil einen Wettlauf mit der Zeit, eine Herkulesaufgabe, eine riesige Herausforderung - mit großen Gefahren für Versorgungssicherheit und bezahlbare Strompreise. „Meine große Sorge ist eine schleichende De-Industriealisierung Bayerns“, sagte der bayerische Wirtschaftsminister. Dazu dürfe es aber nicht kommen. „Und deshalb muss rasch gehandelt werden. Es darf keine Zeit mehr verschenkt werden“, so Zeil. Die Energiewende könne nicht angeordnet, sie müsse gestaltet werden.

„Nur Nein-Sagen geht nicht mehr“

Dazu gehöre auch, dass die Bevölkerung die Errichtung etwa von Windkraftanlagen, neuen Stromleitungen oder Pumpspeicherkraftwerken in erheblichem Umfang akzeptiere. Nur Nein-Sagen gehe nicht mehr. Und es müssten die Rahmenbedingungen für den Bau dringend notwendiger 4 bis 5 neuer Gaskraftwerke verbessert werden.
Für Niederbayern könne die Energiewende zusätzliche Chancen bedeuten; hier sei die Stromerzeugung mit PV-Anlagen bayernweit am stärksten verbreitet, und hier gebe es bereits mit Straubing ein Zentrum für nachwachsende Rohstoffe. Und es gebe viele kleine und mittlere Betriebe, die von der Umstellung der Energieversorgung profitieren könnten.
Das meinte auch Franz Prebeck, der Präsident der Handwerkskammer Niederbayern/Oberpfalz. Er nannte die Energiewende einen „Glücksfall“ für das Handwerk, weil etwa gerade der Bau von den Bestrebungen etwa von Hausbesitzern, ihre Energiekosten zu drücken, profitieren würde.
Energieeinsparmaßnahmen sind laut Zeil aber nicht nur ein Konjunkturprogramm für das Handwerk, sondern auch eine absolut notwendige Maßnahme. In diesem Zusammenhang nannte es der Minister „einen Skandal“, dass die steuerliche Absetzbarkeit von energetischer Sanierung im Bundesrat festklemme. Zur Kritik vor allem der Solarwirtschaft an der auf 9. März vorgezogenen Förderkürzung sagte Zeil, er werde sich für Übergangslösungen stark machen.
Dr. Josef Dachs, Präsident der IHK Niederbayern, befürchtet wegen der Energiewende steigende Strompreise. Zudem sei der Umstiegs-Zeitraum bis 2021 äußerst kurz. Auch gebe es bislang kein in sich schlüssiges Konzept. „Wir brauchen einen Masterplan“, forderte Dachs.
Eher skeptisch äußerte sich auch Wolfram Hatz, Motorenbauer aus Ruhstorf und Vizepräsident der bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände bayme vbm. Die Energiewende werde mehrere 100 Milliarden Euro kosten, und es sei noch völlig offen, wie das bewältigt werden solle. Hatz berichtete davon, dass auch zahlreiche Firmen skeptisch seien, was die künftige Versorgungssicherheit bei Strom angehe. „Bei mir mehren sich die Anfragen nach leistungsfähigen Notstromaggregaten“, sagte er. Regierungspräsident Heinz Grunwald rief die Bevölkerung ebenfalls dazu auf, Widerstände gegen notwendige Stromtrassen oder Windanlagen aufzugeben. Nur so könnten notwendige Maßnahmen schnell durchgeführt werden. Das hoffte auch Max Binder, Geschäftsführer der E.ON Bayern Vertriebs GmbH. Zwar sei die Energiewende zu schaffen, aktuell seien aber noch viele Probleme ungelöst, betonte Binder, etwa der Leitungsausbau.
Laut Dr. Almut Kirchner von der prognos AG werde die Energiewende Gewinner und Verlierer zeitigen; profitieren könnten alle Branchen, die sich mit Energieeinsparung und -effizienz beschäftigten, auf Einbußen sollten sich konsumorientierte Branchen einstellen. Kurz- und mittelfristig werde die Energiewende Geld kosten, das dem Konsum fehle.

Quelle: Passauer Neue Presse

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