Zuversicht für die Zukunft des Hochschulstandorts Freyung hat bei der Stadtratssitzung am Montagabend Prof. Wolfgang Dorner verbreitet. Der Leiter des Freyunger Technologiecampus, der als Außenstelle der FH seit 2009 hier betrieben wird, berichtete dem Gremium über den aktuellen Stand der Entwicklung.

So sind laut Dorner am Standort Freyung derzeit rund 40 Mitarbeiter beschäftigt. Eine durchaus beachtliche Zahl - war man doch zu Beginn davon ausgegangen, dass nach der Aufbauphase maximal 15 Mitarbeiter in Freyung vor Ort sein sollten. Insgesamt sei die „Entwicklung weiter ungebremst positiv“.

Was die eigenständige Finanzierung des Technologiecampus in Freyung angeht, sei man auf einem guten Weg, sagte Dorner, wenn auch noch lange nicht am Ziel. Nach fünf Jahren, also nach 2013 muss sich der Hochschulstandort selbst tragen. Auf dem Weg dahin seien im vergangenen Jahr rund 1,3 Millionen Euro eingeworben worden, für 2012 liege man bei zwei Millionen Euro, rund eine Million umfasse das Volumen von Anträgen und Anfragen, mit der die FH-Außenstelle Freyung rechnet, und weitere 2,2 Millionen Euro würden innerhalb der kommenden vier bis acht Wochen erwartet. „Der Eigenbetrieb 2014/15 kann zugesichert werden“, so der Ausblick des Professors.

Eine Chance, in der Region zu bleiben

In Freyung arbeiten derzeit sieben Forschungsteams, die Schwerpunkte sind die Themen Embedded Systems, Geoinformatik, Technische Informatik und Bionik. Weitere Themen könnten folgen, kündigte Dorner an. Vor allem wies er darauf hin, dass der Technologiecampus für die ganze Region die Chance biete, gut ausgebildete junge Leute hier zu halten, die sonst gezwungen sind, im Zuge der Berufswahl in Ballungszentren abzuwandern. Hier lobte Dorner auch ausdrücklich die Zusammenarbeit mit dem Regionalmanagement am Landratsamt, mit dem man auch Freyunger Akademiker zurück in ihre Heimat holen will. Demnach kommen rund 70 Prozent der Campus-Leute aus der Region, wie Dorner auch Nachfrage von Stadtrat Hanno Kenst (JWU) ausführte. Weitere würden entweder in die Heimat zurückkehren oder auch ihren Wohnsitz hierher verlegen.

Auf Erfolge im Bereich Energietechnik konnte Dorner ebenfalls hinweisen, ein Wachstumspotenzial auch was Fördergelder angeht. Hier könnten zwei neue Mitarbeiter eingestellt werden. Von der Zusammenarbeit der FH Deggendorf profitiere auch der Standort Freyung, derzeit laufen drei Projekte mit der Uni Passau. Die Zusammenarbeit finde nicht nur mit regionalen Firmen statt, sondern auch mit Firmen und Institution der „oberen Liga“, wie Dorner es formulierte: BMW, TU München, Fraunhofer Gesellschaft gehörten u.a. ebenso dazu wie z.B. die Kooperation mit dem Bayerischen Forstministerium, für das der Technologiecampus an der Früherkennung des Borkenkäfers arbeitet. Man sehe sich auch als eine Art Schnittstelle zwischen Wald und Nationalpark.

Was die Platzsituation im Gebäude an der Grafenauer Straße angeht, hat die FH in jüngster Zeit zwei Büros aus dem Obergeschoss in zwei größere Büros im Erdgeschoss verlegt. Die kleineren Räume seien für Gründer besser geeignet, während man für weitere Mitarbeiter ohnehin mehr Büro-Platz brauche, so Dorner. Als erfolgreiche Gründerfirma nannte Dorner die Firma Technagon, die hier auf 16 Quadratmetern begonnen, sich 120 Quadratmeter erweitert habe und nun an einem neuen Standort 350 Quadratmeter belege. „Genau das ist ja der Zweck, den wir verfolgen: neue Firmen etablieren, die sich hier ansiedeln“, unterstrich Dorner. Derzeit bestehe zwar „kein dringender Handlungsbedarf“ in Sachen Platzproblemen. Jedoch müsse man sich laut Dorner „in den nächsten Monaten mal zusammensetzen“, um die Situation zu besprechen.

Wichtiges Thema für Dorner ist es auch, dass für den Standort die Werbetrommel gerührt wird. Hier zahle sich auch die Zusammenarbeit mit dem Förderverein aus. In der Regel führe man eine bis zwei Besuchergruppen im Monat durch den Technologiecampus: Nachwuchswerbung werde natürlich in den Schulen betrieben, auch mit zusätzlichen personellen Aufwand. Und z.B. bei der Azubi-Rotation ist man dabei oder beim Girls‘ Day

Dass man mittelfristig die Organisationsstrukturen verändern müsse, darauf wies Dorner allerdings ebenfalls hin. Um finanziell zurecht zu kommen, müsse man sich mehr an Unternehmensstrukturen orientieren und natürlich Forschungs- und Fördergelder genau so an Land ziehen wie die Kooperationen mit Firmen.
Ein Augenmerk auf „regenerative Kraftwerke“, gerade auch in Zusammenhang mit dem E-Wald-Projekt, kündigte Dorner auf die Nachfrage von Stadträtin Renate Ruhland (ÖDP) an. So solle Strom für die Elektroflotte zeit- und ortsnah produziert werden.

Dass es indessen auch bald regelmäßige Vorlesungen für Studenten an der Außenstelle Freyung geben wird, konnte Dorner auf die Nachfrage von Stadtrat Josef Geis (CSU) nicht versprechen. Die Studenten und Professoren nur für wenige Studenten von Deggendorf nach Freyung zu bringen sei aufwändig. Aber die Studenten seien in den vier- bis fünfmonatigen Praktika vor Ort, was auch noch ausgebaut werden könne. Blockweise Vorlesungen seien denkbar. Zudem könnte sich Dorner vorstellen, auf „Fernlehre“ zu setzen und nannte hier als Beispiel Erfahrungen in Australien, wo auf diese Art zehntausende Studenten per Telearbeitsplatz quasi im „Busch“ studieren könnten.

Regelmäßige Vorlesungen?

Wie sich an der FH Deggendorf die Zahl der Studenten aus Freyung seit der Inbetriebnahme dieses Standorts verändert habe, konnte Dorner auf die Frage von 2. Bürgermeister Sebastian Gruber nicht sofort beantworten. Jedoch sei dies allgemein schwierig, zumal sich durch den doppelten Abiturjahrgang hier auch Verzerrungen ergeben würden.

Was den von Stadtrat Thomas Friedsam (CSU) anfänglichen Mangel an Fachleuten angeht, die am Standort Freyung eingesetzt werden müssen, hat sich laut Prof. Dorner die Situation etwas gebessert - schließlich habe sich der Campus mittlerweile etabliert, sei erfolgreich und auch weithin bekannt geworden und die ersten Absolventen würden nun bereits an die FH zurückkehren. „Wenngleich natürlich in den Bereichen Informatik, Mathematik, Ingenieurswesen die Mitarbeiten nicht nur von uns gesucht werden“, musste Dorner einräumen.

Auf die Frage von Stadtrat Gerhard Drexler (FDP) bezüglich der Geschäftsführer-Stelle betonte Bürgermeister Dr. Olaf Heinrich, dass die Ausschreibung der halben Stelle laufe. Wie Heinrich am Ende von Prof. Dorners Vortrag betonte, werde es „spannend“ werden, was nach fünf Jahren passiere, wenn sich die FH-Außenstelle in Freyung selbst finanzieren muss. Letztlich müssten hier doch auch die Kommunen und das Land an Ideen arbeiten.

Quelle: Passauer Neue Presse / Doris Löw


Events & More

25y thd

digitalisierung logo webseite

merchandising

umfrage wilda tcf

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok