IHK-Gremium Freyung-Grafenau diskutierte über Konsequenzen der Energiewende.

Deutsche Unternehmen leiden immens unter den gestiegenen Preisen für Energie und Rohstoffe. Die absehbare Verteuerung von Strom im Zuge der Energiewende zählt laut IHK-Gremiumsvorsitzendem Alois Atzinger sogar zu den „größten Konjunkturrisiken überhaupt“. Das IHK-Gremium Freyung-Grafenau beschäftigte sich daher in seiner letzten Sitzung im Landhotel-Gasthof Brodinger schwerpunktmäßig mit der Zukunft der Energieversorgung in Deutschland und der Region.

Bezahlbar muss sie sein, aber auch schwankungsfrei, und verlässlich zur Verfügung stehen. Aus Sicht der regionalen Wirtschaft sind das unverzichtbare Anforderungen an die Energieversorgung, damit Unternehmen wettbewerbsfähig am Standort Niederbayern arbeiten können. Besorgnis herrschte bei der Gremiumssitzung daher mit Blick auf den Entschluss zum schnellen Ausstieg aus der Kernenergie infolge des Reaktorunglücks in Japan, denn die Umstellung auf alternative Erzeugungsquellen wirft zahlreiche Fragen auf - angefangen vom dafür erforderlichen Ausbau der Stromnetze über entsprechende Speichermöglichkeiten bis hin zur Analyse der Wirtschaftlichkeit erneuerbarer Energien.

Prof. Dr. Wolfgang Dorner, Leiter des Technologie Campus Freyung, gab den Unternehmern zunächst einen umfassenden Einblick in die Thematik aus wissenschaftlicher Sicht. Sein Hauptaugenmerk richtete er dabei auf die Fragestellung, wie der Ausbau der regenerativen Energien auf einer marktorientierten Basis gelingen kann. Eher skeptisch bewertete er dabei die derzeitigen Bestrebungen vieler Kommunen nach einer autarken Energieversorgung.

Diese Ansätze, so Dorner, würden die Energiewende insofern konterkarieren, als sie vielfach darauf hinauslaufen würden, dass Energie zur falschen Zeit am falschen Ort produziert würde. Die Gesamtbilanzierung von Stromerzeugung und Stromnutzung führt dabei nach seiner Überzeugung in die Irre, wenn nicht zugleich die zeitliche Verteilung berücksichtigt wird. Um verlässliche Planungsgrundlagen zu erhalten, müsse man vielmehr den Stromverbrauch über die Zeit und die mit den verschiedenen Kraftwerkstypen mögliche Stromerzeugung gegenüberstellen.

Eben mit dieser Herausforderung beschäftigt sich ein aktuelles Forschungsprojekt des Technologie Campus im Bereich der Planung virtueller Kraftwerke. Ziel des Vorhabens sei es, so Dorner, zu neuen Planungsmodellen für regenerative Energiesysteme und Anlagenstandorte zu kommen, um diese später auch sinnvoll in das Stromnetz einbinden zu können.

Ergänzend zu den Aspekten aus der Forschung berichtete Dr. Jürgen Weber, Leiter des Bereichs Wirtschaft, Landesentwicklung und Verkehr bei der Regierung von Niederbayern, über den derzeitigen Stand des Ausbaus der Energieinfrastruktur in Niederbayern. Insbesondere im Bereich der Photovoltaik sei der Ausbau in den letzten Jahren massiv vorangeschritten, so Weber. Insgesamt betrage der Anteil regenerativer Energien am Gesamtverbrauch in Niederbayern bereits heute mehr als ein Drittel.

Zusammen mit der Stromerzeugung durch die alten Wasserkraftwerke an Donau, Inn und Isar komme man sogar auf einen regenerativen Stromanteil von knapp 60 Prozent. „Hier tut sich schon sehr viel“, so Weber. Er betonte, dass man in Niederbayern damit die Zielsetzung des bayerischen Energiekonzeptes, mindestens die Hälfte des Stromverbrauchs über erneuerbare Energien zu decken, längst erreicht habe. Weiteres Ausbau-Potenzial bestehe insbesondere im Bereich der Windkraft. Der Schwerpunkt müsse aber nun vor allem auf den Ausbau der Energienetze sowie die Schaffung von Energiespeichern gerichtet werden.

Kritik wurde im IHK-Gremium auch beim Blick auf den Entwurf für das neue Landesentwicklungsprogramm (LEP) laut. Zwar befürworten die Unternehmer die grundsätzliche Zielsetzung, das LEP zu verschlanken, hierbei sei die Politik jedoch deutlich über das Ziel hinausgeschossen. „Das Landesentwicklungsprogramm kann seiner zentralen Aufgabe, die Grundzüge der räumlichen Entwicklung und Ordnung Bayerns festzulegen, in der vorgelegten Fassung nicht mehr gerecht werden“, so IHK-Hauptgeschäftsführer Walter Keilbart.

Insgesamt blieben viele offene Fragen. So würden beispielsweise Schlüsselthemen wie Energiewende, Bildung und Wissenschaft oder der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur nur unzureichend behandelt. Daneben biete der Entwurf den Unternehmen keine Planungssicherheit bei ihren Standortentscheidungen. „Es muss auch weiterhin eindeutig definiert werden, an welchen Orten Gewerbe- und Industriegebiete ausweisbar sind und wo nicht“, forderte Keilbart. Durch solche Vorgaben werde der Wert von Investitionen erhalten und für alle Beteiligten eine gewisse Berechenbarkeit garantiert - beispielsweise was künftige Erweiterungsmöglichkeiten am Standort betreffe. Mit einer Verschlankung des LEP sei niemandem gedient, wenn dieses dann seine notwendige Lenkungsfunktion nicht mehr erfüllen könne.

Das IHK-Gremium beschäftigte sich außerdem mit aktuellen Trends zur konjunkturellen Lage in Niederbayern.

Quelle: Passauer Neue Presse, 06. November 2012
Autor: Norbert Peter

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