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Ein Schild muss her." Damit jeder schon von Weitem sieht, was sich im ehemaligen alten Schulgebäude in Neudorf befindet. Nämlich eine Logistik-FH".

Neben der Riesenfreude gab sich Grafenaus Bürgermeister Max Niedermeier gestern ganz pragmatisch, als bekannt wurde, dass die Säumerstadt sozusagen Hochschulstandort wird.

Das Kabinett hatte bei seiner Sitzung in Passau beschlossen, dass der zweijährige Probebetrieb endet, und daraus eine reguläre Niederlassung der Hochschule Deggendorf wird − neben der Glas-FH in Spiegelau und dem Technologie Campus in Freyung die dritte im Landkreis (siehe dazu auch Berichte im überregionalen Teil). Vier Millionen Euro werden als staatliche Anschubfinanzierung für die nächsten fünf Jahre dafür zur Verfügung gestellt.

"Unsere Anstrengungen hatten Erfolg", so Niedermeier. Er sprach von einem enorm wichtigen Impuls für die Säumerstadt, ja für die Region. Und er dankte allen, die vor und hinter den Kulissen angeschoben hatten, dass die Sache nun in trockenen Tüchern ist. "Landwirtschaftsminister Brunner hat beispielsweise erst vor Kurzem einen Forschungsauftrag nach Neudorf vergeben, mit dem innovative Prognosesysteme für exakte Bestellungen von Lebensmittel durch den Einzelhandel entwickelt werden sollen."

Besonders dankte Niedermeier aber jenen Firmen aus der Region, die sich vor knapp zwei Jahren zusammentaten und ein Netzwerk gründeten. Dieses Netzwerk sicherte zusammen mit weiteren Gönnern einen ersten Probebetrieb der Logistik-FH in Zusammenarbeit mit der FH Deggendorf. An der Spitze: Leiterin Prof. Diane Ahrens, Netzwerkmanager Franz-Xaver Wilhelm und Projektleiter Karl Forster. Das Ganze habe sich prächtig entwickelt, "wir haben bewiesen, dass wir es können, dass die Region hinter der Idee steht und die FH will". Und als dann Ministerpräsident Horst Seehofer heuer am Rande des CSU-Neujahrsempfangs von allen Seiten eindringlich auf die Wichtigkeit dieser Sache hingewiesen worden sei, und er seine uneingeschränkte Unterstützung signalisierte, habe man gewusst, dass das was werden könne.

Er sei überglücklich, so Wilhelm. Jetzt könne man in eine gesicherte Zukunft blicken und die begonnen Forschungsaufträge konzentriert weiterführen. Das Gebäude in Neudorf sei hervorragend geeignet, die Mitarbeiter fühlten sich wohl, im Untergeschoss habe man die nötigen Flächen, um weiter zu expandieren.

Allen Grund zum Jubeln hatte gestern natürlich auch Leiterin Prof. Diane Ahrens, die erst durch den Anruf des Grafenauer Anzeigers von der Entscheidung erfahren hat. "Das ist ein großer Schritt voran für die Region, die Hochschule und nicht zuletzt für meine Mitarbeiter. Jetzt können wir unsere erfolgreiche Arbeit weiter fortsetzen, den Personalstand ausbauen. Wir haben gerade erst Bewerbungsgespräche geführt und werden wohl drei weitere Vollzeitstellen besetzen können." Für sie resultiert die Anerkennung ihres TC für Logistik daraus, dass sie aus eigener Kraft vor zwei Jahren mit dem Campus begonnen und dass in der Region alle an einem Strang gezogen hätten. Ahrens dankte in ihrer ersten Stellungnahme generell für "politisch-mentale Unterstützung" und namentlich Bürgermeister Niedermeier, Landrat Lankl, Firmen und ihren Mitarbeitern, die sich weit über das Normale hinaus für dieses Projekt eingebracht hätten.

Die Ausgründungen der HDU Deggendorf seien eine "Erfolgsgeschichte par excellence", freute sich Landrat Ludwig Lankl über den dritten Campus in seinem Landkreis. "Es ist auch ein Beweis, dass man mit unserer Arbeit sehr zufrieden ist. " Damit meinte Lankl die großartige Vorarbeit von Landkreis, Kommunen, Bevölkerung und vor allem des Teams um Prof. Diane Ahrens, das "aus Wenigem etwas gemacht hat".

Die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung, rund vier Millionen Euro für ein Logistik-Anwenderzentrum in Grafenau zur Verfügung zu stellen, sorgt für "Begeisterung und große Dankbarkeit" auch bei CSU- Kreisvorsitzendem Olaf Heinrich. Der Freyunger Bezirksrat betont, dass der Bayerische Ministerpräsident beim CSU-Neujahrsempfang in Grafenau seinen persönlichen Einsatz für die Einrichtung zugesagt habe. "Dass der Zuschlag nun so schnell kommt, macht mich wirklich glücklich", so Heinrich.

Der CSU-Kreisverband Freyung-Grafenau habe sich nicht nur für die Ansiedlung eines Technologie-Campus für Embedded Systems, Bionik und Geoinformatik in Freyung stark gemacht, sondern auch das Technologie-Anwenderzentrum in Spiegelau vorangetrieben. Nun komme mit dem Schwerpunktthema "Logistik" ein weiterer Technologie-Campus in den Landkreis.

Freude herrschte auch bei FDP-Kreisvorsitzendem und Kreisrat Gerhard Drexler, der jedoch betonte, dass der Technologie-Campus "Einkauf und Logistik" in Grafenau alleine aus dem Topf des FDP geführten Wissenschaftsministeriums finanziert werde. "Das Ministerium des Ministers Brunner hat aus seinem Etat nichts dazu gegeben, obwohl er angefragt war. Das ist bedauerlich."

Inhaltliche Schwerpunkte des Technologie-Campus in Grafenau würden laut Drexler im Bereich der Holzlogistik, des Wandels der Logistik durch die Energiewende und der CO2-Minimierung liegen. FDP-Minister Heubisch habe laut Drexler betont, dass "diese Fragestellungen von größter Bedeutung für eine dünn besiedelte Region" seien, die entfernt von Wirtschaftszentren liege und land- und forstwirtschaftlich ausgerichtet sei.

Auch FW-MdL Alexander Muthmann begrüßte die Entscheidung, vier Millionen Euro für die FH-Außenstelle in Grafenau zur Verfügung zu stellen. "Es ist eine weitere Chance, in der Region etwas vorwärts zu bringen". Eine Frage werde aber sein, inwieweit sich Landkreise und Gemeinden auch künftig bei den Technologie-Campi einbringen müssten. "Wissenschaft ist eine staatliche Aufgabe. Daher sollte der Freistaat nicht nur Einrichtungen schaffen, sondern sie auch selbst finanzieren".

Quelle: PNP - Regnionalausgabe Freyung-Grafenau
Foto: Nigl


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