20130416-forschungsakzente-tc-grafenau

Staatsminister Helmut Brunner am neuen TC-Standort "Logistik" in Grafenau: Einsparpotenzial bei Lebensmittelverschwendung bei 100 Mio. Euro.

Staatsminister Helmut Brunner zeigte sich zufrieden. "Jetzt weiß ich, dass die Gelder meines Ministeriums gut angelegt sind". Der Landwirtschaftsminister hatte vor kurzem 144 000 Euro aus seinem Ressort bereitgestellt, um damit einen Forschungsauftrag am Technologie Campus Neudorf zu unterstützen.

Es geht um die Reduzierung der Lebensmittelverschwendung (PNP hat mehrmals berichtet). Laut Campi-Leiterin Prof. Diane Ahrens liegt das Einsparpotenzial bundesweit bei 100 Millionen Euro jährlich. Brunner sprach darauf von einem Projekt mit einer großen Breitenwirkung für ganz Deutschland. Hier würden Forschungsakzente gesetzt.

In Neudorf war man gestern auch zusammengekommen, um den Zuschlag des Kabinetts für den Standort Grafenau noch einmal zu feiern und um den politischen Entscheidungsträgern zu danken − und auch all jenen Firmen, die mit dem Zusammenschluss zu einem Netzwerk quasi vor zwei Jahren die Initialzündung dafür geliefert haben.

Professorin Diane Ahrens war die Erleichterung dann auch noch immer anzumerken, dass aus dem Pilotprojekt etwas Handfestes wurde. Sie dankte namentlich Staatsminister Helmut Brunner, Landrat Ludwig Lankl und Bürgermeister Max Niedermeier für ihr Engagement in den letzten Jahren. "Jetzt haben wir Planungssicherheit. Jetzt können wir endlich auch offiziell loslegen. Jetzt können wir neue Mitarbeiter einstellen".

Brunner habe nicht nur unermüdlich hinter den Kulissen für den Standort Grafenau geworben ("ich habe mit dem Wissenschaftsminister sehr viele Gespräche geführt"), sondern hat durch die Bereitstellung von Mitteln für das oben genannte Forschungsprojekt quasi Anschubfinanzierung und Überbrückungshilfe geliefert − bis die bei der Kabinettssitzung in Passau zugesagten Fördermittel dann auch freigegeben sind.

"Die Sitzung war ein großer Erfolg für unseren ländlichen ostbayerischen Raum", so Brunner: Der Titel "Technische Universität" für Deggendorf als auch die Finanzierung des Logistik-Standortes Grafenau seien der beste Beweis. Der Minister verhehlte dann aber auch nicht, dass er auch für Passau einen Vorschlag im Gepäck gehabt habe. "Der hat leider keine Mehrheit gefunden. Aber wir bleiben dran". Grafenau habe sich unter anderem auch gegen andere Bewerber wie Ingolstadt durchsetzen können, weil hier das Logistik-Netzwerk schon gute Vorarbeit geleistet habe.

Auch Bürgermeister Max Niedermeier betonte die Wichtigkeit der Einrichtung eines dritten Campi der TU Deggendorf im Landkreis FRG. "Hier werden qualifizierte Arbeitsplätze für Menschen aus der Region geschaffen." Das Ganze habe Vorbildcharakter für andere Investoren.

Die Richtigkeit der Entscheidung der TU Deggendorf, auch auf das Land zu gehen, betonte Vizepräsident Prof. Klaus Nitsche. Der sagte aber auch, dass das Ganze eine heftig debattierte Sache gewesen sein. "Eine Universität habe in erster Linie einen Forschungsauftrag. Und soll nicht Regionalförderung leisten", lautete lange die vorherrschende Meinung. Im Laufe der Zeit sei bei Politik und Hochschule ein Umdenken passiert. "Wir wollen forschen für die Region", lautet jetzt das Credo. Dies habe auch mit der globalen Vernetzung der Betriebe und dem einhergehenden Strukturwandel zu tun.

"Logistik ist fast alles. Es ist selbstverständlich, dass sie da ist. Nur wenn sie nicht funktioniert, dann wird diese wahrgenommen". So umriss Ahrens kurz das, was in Neudorf Gegenstand der Forschungen sein wird. Das Konzept stehe auf drei Beinen: Forschen, Beraten, Weiterbilden.

Momentan sei die Mannschaft in Neudorf drei Köpfe plus studentische Hilfskraft stark. Durch das Forschungsprojekt und die Zusage der Finanzierung auf fünf Jahre (dann muss sich auch der Campi Neudorf wie die anderen Einrichtungen selbst finanzieren) sei man jetzt in der Lage, qualifiziertes zusätzliches Personal einzustellen.

Rund 100 Millionen Einsparpotenzial sieht Ahrens und ihr Team beim aktuellen Forschungsprojekt, dass in Zusammenarbeit mit dem Lebensmittel-Discounter Norma angegangen wird. Pro Haushalt landen pro Monat Lebensmittel für 50 Euro auf dem Müll. Das bundesweite Einsparpotenzial an dieser Verschwendung liege in Sachen Einzelhandel zwar nur bei fünf Prozent. Doch für den Verbraucher ist gerade hier laut einschlägiger Studien ein großer Handlungsbedarf geboten.

Herauskommen soll laut Ahrens in dem auf zwei Jahre angesetzten Projekt eine Art "Superhirn-Programm", das die Betriebe in Sachen Bestandsaufnahme und Bestellungen unterstützt und so die Lebensmittelverschwendung reduziert. Unterstützt wird das Projekt von der Norma-Regionalleitung mit ihren Märkten vor Ort. Anton Gleixner, Norma-Niederlassungsleiter aus Regenstauf: "Wir hatten Ähnliches vor, als wir von den Forschungen in Neudorf erfahren haben, haben wir gesagt, da arbeiten wir zusammen."

Laut Brunner sei es auch ein Bildungsauftrag, "wie wir Verbraucher mit unseren Lebensmitteln" umgehen. In Deutschland seien Nahrungsmittel vergleichsweise relativ billig. Der Landwirtschaftsminister sprach davon, dass man im Kopf und im Herzen darüber entscheiden müsse, wie man in Sachen Verschwendung mit Lebensmitteln umgehe. Im Bereich des Kopfes werde in Neudorf geforscht, in Sachen Herz müsse jeder sich selbst hinterfragen.

Quelle: PNP Regionalausgabe Grafenau vom 16.04.2013
Autor: Andreas Nigl


Events & More

merchandising