foto gaby okt 2016 presse pnpDistance-Learning-Modell der TH Deggendorf ermöglicht flexibles berufsbegleitendes Studieren – Schon zum Start wird das Projekt gut angenommen von Katrin Schreiber

Deggendorf/Grafenau. "Die Deggendorfer haben mal wieder das Ungewöhnliche zum Normalen gemacht", stellte Kultus-Staatssekretär Bernd Sibler gestern fest. Mit dem Distance-Learning-Modell, dem gemeinsamen Lernen an zwei verschiedenen Standorten, beschreitet die Technische Hochschule neue Wege.

"Wir haben das gemeinsam erfolgreich gestemmt", lobt Prof. Dr. Diane Ahrens, Leiterin des Technologie-Campus Grafenau. Genau dort ist sie, als sie spricht – aber im Glashaus im Deggendorfer ITC2 möchte man meinen, man säße mit ihr im gleichen Raum. Die Videokonferenz-Anlage mit hochauflösenden Kameras, sensiblen Deckenmikrofonen, Beamern und Leinwänden macht’s möglich. Vorgestern haben die Beteiligten in Deggendorf und Grafenau das Deggendorfer Distance-Learning-Modell DEG-DLM eindrucksvoll gemeinsam vorgestellt.


Dr. Martina Reitmaier in Deggendorf und Dipl.-Päd. Karina Fisch in Grafenau erklärten, wie’s funktioniert: Zu den Präsenzveranstaltungen kommt jeder Teilnehmer an den Ort, der ihm näher liegt – Deggendorf oder Grafenau. Per Videokonferenz zusammengeschlossen hören alle den Dozenten und die Fragen aus den Reihen der Lernenden. Der Dozent sieht in beide Räume und erkennt, ob die Lernenden eine Pause brauchen, unaufmerksam sind oder Fragezeichen in den Gesichtern stehen haben. Vergisst die Dozentin in Grafenau den Blick auf die Deggendorfer, drücken die auf eine Hupe und erinnern sie damit an den Bildschirm. Und weil jeder alles hört und sieht, kann man sogar gemeinsame praktische Übungen machen. Mit rollbaren Möbeln können die Räume im Glashaus und im Technologiecampus Grafenau jeweils passend umgestellt werden. Zusätzlich werden Webkonferenzen angeboten. Mit oder ohne Dozent können sich Lernende zusammenschließen – mit Laptop und Headset zu Hause auf der Couch, in der Mittagspause im Café oder auf der Geschäftsreise in China. Gemeinsam können sie Lernstoff durchgehen oder miteinander an den gleichen Dokumenten arbeiten. Und dann gibt’s noch aufgezeichneten Webinare, die jeder in Angriff nehmen kann, wenn er am besten Zeit hat. Zum Unterricht werden dort passende Übungsaufgaben mitgeliefert. Videokonferenzen haben andere Hochschulen auch, und Webinare auf Youtube sind ebenfalls nichts Neues. Aber beim DEG-DLM geht es eben nicht um einseitiges "Fernsehschauen", erklärte Dipl.-Ing. Wolfgang Stern, Leiter des Instituts für Qualität und Weiterbildung. Vielmehr bietet das Deggendorfer Modell, das aus Mitteln des Freistaats und des Bundes gefördert wird, die Möglichkeit, miteinander zu interagieren. Eben so, als sitze man im gleichen Raum. In dieser neuen Lehrform sieht auch Hoschul-Präsident Prof. Dr. Peter Sperber die Zukunft: "So wird die Lehre in den nächsten paar Jahren funktionieren."

Zunächst läuft das Projekt an den bisher zwei Standorten von 2014 bis 2018. Nach der Entwicklungs- und Vorbereitungszeit hat der tatsächliche Unterricht jetzt gerade sein erstes Semester hinter sich. Angeboten werden ausschließlich berufsbegleitende Fortbildungen: Bachelor Kindheitspädagogik mit 24 Teilnehmern, davon fünf in Grafenau, Zertifikat Technische Betriebswirtschaft mit 30 Teilnehmern, davon 20 in Grafenau und zusätzlich der Brückenkurs Mathematik/Physik, in dem berufsbegleitende Studienanfänger ihr Schulwissen auffrischen können. Die bisherigen Kursteilnehmer sind zwischen 22 und 59 Jahren alt, kommen aus verschiedenen Berufen und haben verschiedene Schulabschlüsse und Berufserfahrung. Eine Mischung, die sich gut ergänzt, bestätigten Teilnehmerinnen gestern den Zuhörern in Deggendorf und Grafenau, darunter OB Dr. Christian Moser mit Wirtschaftsförderer Andreas Höhn sowie Freyung-Grafenaus Landrat Sebastian Gruber mit Stellvertreterin Helga Weinberger.


Wie massiv die Konsequenzen der Digitalisierung für das tägliche Leben sind, ist Diane Ahrens mit dem Projekt bewusst geworden. Sie freut sich, dass das Distance Learning so gut angenommen wird: "Wir müssen das Bildungsangebot zu den Menschen bringen, und nicht umgekehrt." Bernd Sibler stimmte dem zu: "Es ist gut, wenn wir in Menschen investieren, die die akademische Ausbildung nachholen müssen oder wollen." Gerade für jene, die ohnehin schon Familie und Arbeit unter einen Hut bringen, schaffe man mit diesem flexiblen Angebot Bildungsgerechtigkeit: "Wir füllen das ,lebenslange Lernen’ mit Strukturen und Möglichkeiten."


Die Teilnehmerinnen auf dem Podium beschrieben, wie gut es ihnen damit geht: "Ich profitiere viel von den Erfahrungen der anderen aus den ganz verschiedenen Berufsfeldern", erzählte zum Beispiel Petra Schötz, die Kindheitspädagogik studiert und erst einmal gar nicht mehr wusste, wie das Lernen funktioniert. Zu den bisher angebotenen Fortbildungen hätte die Zwieseler Familienmutter nach München fahren müssen – das wäre nicht gegangen. "Aber Grafenau ist machbar." Auch Christina Lehman findet die Mischung im Teilnehmerfeld gut: "Dabei entstehen viele neue Ideen." Und inzwischen sei sie es auch gewohnt, gelegentlich in die Kamera zu sprechen.

Quelle: PNP vom 22.10.2016

Foto: Diane Ahrens sprach in Grafenau – und auf der Leinwand gegenüber den Zuhörern im Glashauswar sie, ebenso
wie auf diesem Bildschirm, zu sehen, als wäre sie mitten dabei. − Foto: Roland Binder


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