Wo das Knowhow zusammenkommt

10.9.2015 |

Der Technologie-Campus ist Forschungs- und Ausbildungsort für die Industrie 4.0

Es gibt einen Ort im Landkreis Cham, an dem die Grundlagen für die Industrie 4.0 geschaffen werden und zwar gleich in mehrerlei Hinsicht. Am Technologie-Campus in Cham laufen die Fäden, oder besser gesagt, das Knowhow zusammen. Zugleich wird es von dort wieder hinaus getragen in die Unternehmen.

 Es gibt nicht nur ein kleines Projekt, das in der Chamer Badstraße erarbeitet wird. Vielmehr ist die Außenstelle der Technischen Hochschule Deggendorf weit vernetzt, sowohl in der wissenschaftlichen Forschung als auch in der Praxis.

Auf dreierlei Weise trägt der Campus zur Förderung der Industrie 4.0 im Landkreis bei: Geplant sind eine digitale Modellfabrik und ein digitales Gründerzentrum; zusätzlich wird geforscht und die Hochschule bildet die Fachkräfte von morgen aus. Die Fördermittel für all das sind bereits gewährt. Nun geht es ans Aufbauen.

Starthilfe für Gründer

Das digitale Gründerzentrum ist der Ort für alle, "die sich nicht trauen, aber das Zeug und die Leute dazu haben", beschreibt Michael Fuchs, Operativer Leiter des TC in Cham. Es soll jungen Gründern mit erforschtem Wissen und einem Standort Starthilfe leisten. Auf diese Weise gefördert werden drei Bereiche, die in der Wirtschaft im Landkreis Cham eine wichtige Rolle einnehmen: die digitale Produktion, der digitale Tourismus und E-Commerce.

Dazu gesellt sich eine digitale Modellfabrik, die modular aufgebaut immer auf dem gerade neuesten Stand der Technik sein werde, erklärte Fuchs. Sie soll dazu dienen, weitere Kompetenz in die bereits vorhandenen Industrieunternehmen hineinzutragen. "Wenn jemand neue Ideen hat, kann er sie hier ausprobieren, ohne Risiko", beschreibt der Campusleiter. Zusätzlich stehe das Knowhow zur Verfügung, das am Campus erarbeitet wird. "Das ist für den Landkreis Cham und die Oberpfalz einmalig." Das Ziel sei, die Firmen zu animieren, den nächsten Schritt zu wagen.

Eine wichtige Rolle in Zeiten der Industrie 4.0 oder "augmented reality", wie die Mechatronik- und Robotikspezialisten sagen, spielt auch die Ausbildung. Im kommenden Wintersemester startet am Campus ein staatenübergreifender Studiengang "Mechatronische und cyberphysikalische Systeme" zusammen mit der Westböhmischen Universität Pilsen, der ganz auf die Anforderungen der Industrie 4.0 ausgerichtet ist. "Größere Firmen im Landkreis wie Zollner, Mühlbauer und Stangl sind realitv weit. Unser Auftrag ist es, junge Leute vor Ort auszubilden", erklärt Fuchs. Dafür ziehen in Cham alle an einem Strang. Über das Netzwerk Mechatronik steht der aktuelle Status allen zur Verfügung. Mit seinem Fokus auf Mechatronik habe der Landkreis gute Voraussetzungen geschaffen. "Mechatronik und Industrie 4.0 gehören zusammen."

Entscheidend sei, die Ausbildung der jungen Menschen auf den modernsten Stand zu bringen. Dafür arbeitet der TC nicht nur mit der Uni in Pilsen zusammen, sondern auch mit der benachbarten Berufsschule. "Wir tauschen uns aus", sagt Fuchs. Die Grenze zwischen Akademikern und Auszubildenen löst sich auf. "Wir verfolgen schließlich ein gemeinsames Ziel."

"Das ist alles noch im Entstehen"

Alle Beteiligten stehen dabei immer wieder vor Neuem. Fuchs nennt als Beispiel die additive Fertigung. Wer statt Drehen, Fräsen und Bohren mit dem 3D-Drucker arbeitet, müsse den Konstruktionsablauf ganz neu denken. Und ständig erweitern sich die Möglichkeiten, neue Materialien, für die das Verfahren geeignet ist, kommen dazu. "Das ist noch im Entstehen", sagt Fuchs. Was alles möglich ist, "das wissen wir noch gar nicht". Am Campus, so schwebt es den Verantwortlichen vor, soll dafür eine eigene Professur installiert werden. Einen 3D-Drucker gibt es bereits.

Der TC streckt auch seine Fühler zu Partnern an anderen Hochschulen aus, die schon damit arbeiten. "Das ist so ein weites Feld, dass für jeden etwas zum Forschen übrigbleibt", sagt Fuchs. Der Focus müsse auf den Anwendungen liegen, die vor Ort wirklich gebraucht werden. Das Potenzial sei unwahrscheinlich groß. "Erstens, weil wir gar nicht wissen, wohin es geht. Zweitens, weil wir schon jetzt sehen, wie sich Dinge mit Vorschub entwickeln. Irgendwann wird man etwas herstellen können, was wir uns noch gar nicht vorstellen können."

Er ist überzeugt, das Deutschland die richtige Richtung eingeschlagen hat. Mittendrin der Campus in Cham. "Mit jedem Projekt wächst das Knowhow", ist Fuchs überzeugt. "Dieser Prozess ist schon mehr als angestoßen."

Als die ersten Ideen für den Campus im Landkreis Cham entstanden sind, steckten diese Entwicklungen zumindest in Deutschland noch in den Kinderschuhen. So recht wissen konnte wohl keiner, welche Bedeutung die Hochschulaußenstelle für den Landkreis noch bekommen könnte.

"Jetzt geht es in eine Richtung, die vielleicht keiner erwartet hat", gibt Fuchs zu, "aber erhofft."

Quelle: Chamer Zeitung