Kritik an Bayerischem Landespflegering

17.6.2015 |

Bayerische Dekanekonferenz Pflege rät vom Bayerischen Landespflegering ab
THD Professoren unterzeichnen Stellungnahme an Gesundheitsministerin Hummel

Die bayerische Dekanekonferenz Pflege steht in einer öffentlichen Stellungnahme der Errichtung des so genannten Bayerischen Landespflegerings kritisch gegenüber. Die „moderne Pflegepolitik", wie sie von der bayerischen Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml im Rahmen einer Regierungserklärung am 19.5.2015 vorgestellt wurde, sieht die Errichtung eines solchen Landespflegerings anstelle einer Pflegekammer vor.

 In der Dekanekonferenz besteht Konsens darüber, dass sich die genannten Ziele einer legitimierten Standesvertretung der Pflege „auf Augenhöhe" mit anderen Heilberufen so nicht erreichen lassen. Aufgrund seiner unklaren Zusammensetzung aus Einzelpersonen und Organisationen mit unterschiedlichen Aufgaben und Zielen ist eine Stärkung der originären Anliegen der Pflege nicht zu erwarten. Es steht zu befürchten, dass diese neue, freiwillige Pflegevertretung nur wenige Einzelmitglieder aus der Pflege gewinnen wird. Dem Pflegering fehlt deshalb die Legitimation, für die Pflege zu sprechen und Verantwortung für die Entwicklung der Pflegeberufe und der Pflegequalität im Rahmen politischer Prozesse zu übernehmen. Diese Form der Interessenvertretung könnte somit im schlimmsten Falle eine Schwächung der bestehenden Berufsverbände der Pflege darstellen, die eine Mitwirkung an dem Konstrukt bereits abgelehnt haben.

Die Dekanekonferenz kritisiert an dem Vorhaben der Landesregierung vor allem die mangelnde Repräsentanz, fehlende Legitimation und unklare Zielrichtung der angestrebten Körperschaft öffentlichen Rechts ohne Gesamterfassung aller ausgebildeten Pflegefachkräfte. Zwar begründet das Bayerische Staatsministerium für Gesundheit und Pflege den Pflegering, der einen bayerischen Sonderweg darstellt, mit mangelnder politischer Durchsetzbarkeit einer Pflegekammer in Bayern zum jetzigen Zeitpunkt. Die Dekanekonferenz Pflege rät dennoch davon ab, überstürzt in das scheinbare Alternativmodell des Pflegerings
auszuweichen. Dieses Modell ist langfristig auf staatliche Finanzmittel angewiesen, ohne den entsprechenden Nutzen für die Pflegenden und die pflegebedürftigen Menschen bieten zu können.

Gezeichnet:

Prof. Dr. Christine Boldt, Hochschule München

Prof. Dr. Michael Bossle, Technische Hochschule Deggendorf

Prof. Dr. Christa Büker, Hochschule München

Prof. Dr. Constanze Giese, Katholische Stiftungsfachhochschule München

Prof. Dr. Jürgen Härlein, Evangelische Hochschule Nürnberg

Monika Hohdorf, Katholische Universität Eichstätt

Prof. Dr. Annette Meussling-Sentpali, Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

Prof. Dr. Christa Mohr, Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg

Prof. Dr. Christian Rester, Technische Hochschule Deggendorf

Prof. Dr. Marion Schüßler, Evangelische Hochschule Nürnberg

Prof. Dr. Holger Truckenbrodt, Hochschule für angewandte Wissenschaften
Würzburg-Schweinfurt

Die bayerische Dekanekonferenz Pflege ist ein Zusammenschluss der Vertreter der bayerischen Hochschulstandorte mit Pflegestudiengängen, Dekane und Dekanaten, Studiengangsleitungen und Programmverantwortliche der Pflegestudiengänge an bayerischen Hochschulen für angewandte Wissenschaft und Universitäten.

16.06.2016 | ksfh - S. Thiedke