Blick ins gläserne Allerheiligste

28.2.2012 |

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Am 2. März wird das TAZ Spiegelau offiziell eröffnet - der Baustaub ist aus den Labors gefegt.

Eine Linsenpressform zeigt hier Werkmeister Egon Goldmann. Absolute Reinheit heißt ein Ziel im Technologie-Anwender-Zentrum (TAZ) Spiegelau, das am kommenden Freitag seinen Betrieb aufnehmen wird.

Vielleicht war es eine der letzten Möglichkeiten für "Normalsterbliche", den Laborbereich des Technologie-Anwender-Zentrums zu betreten. Wo künftig die Wissenschaft sich in möglichst störungsfreier Umgebung darum sorgt, wie perfektes Glas produziert werden kann, ist z.B. Staub ein absolutes "No-go"!

Die Luft kommt nur gefiltert herein. Eine Klimaanlage sorgt für gleichmäßige Atmosphäre in Temperatur und Feuchte. Zusätzliche Filtersäcke durchziehen die Decken. Putzen müssen die Laboranten selbst. Auch für den Fotografen heißt es: Nur durch eine Schleuse ist der Raum zu betreten, eine weiße Weste bekommt man verpasst, ebenso blaue Plastiküberschühchen und eine Tütenmütze auf den Kopf, damit Gütetests an hochauflösenden Mikroskopen oder Spektralanalysen keine haarige Angelegenheit werden.

Dass überhaupt noch ein Bild gemacht werden darf, liegt daran, dass die Bauphase noch nicht ganz abgeschlossen und der Wissenschafts- und Forschungsbetrieb nicht durchgängig angelaufen ist. Das soll sich in den kommenden fünf Jahren gewaltig verändern, so Geschäftsführer Michael Fuchs. Dann soll sich der Betrieb selbst tragen, wenn das TAZ Entwicklungsarbeit für die Wirtschaft übernimmt und so seine Kosten auch für Gebäude und Ausstattung einnimmt.

An der Schmelzhalle wird noch gearbeitet. Wenn das Wetter wärmer wird, kommt der Putz drauf und der erste Ofen steht neben langem Abkühlband zur ersten Befeuerung fast fertig parat. Dann kehrt wieder Hütten-Atmosphäre in Spiegelau ein, wenn auch unter anderen Vorzeichen.

Der Markt für edles Kelchglas ist begrenzt. Da hat eine Marktbereinigung der vergangenen Jahre immerhin einen hoffentlich stabilen Rest im Bayerischen Wald bewahrt, so Fuchs. Aber Glas ist vielfältig. Besonders in Optik und Prozessoptimierung liegen die Schwerpunkte in Spiegelaus neuer Spezialglasschmiede. So müssen kleine Glaskügelchen von Werkmeister Egon Goldmann und Dipl.-Ing. (FH) Alois Kasberger auch nicht mehr auf flüssig geheizt werden, sondern auf nur auf "Knete-Status", bevor eine Presse eine Linse daraus macht. Das spart Energie, das macht Prozesse flüssiger, das kann der kleine Prozentsatz Vorteil am Markt sein, der Glas aus Spiegelau wieder "heiß begehrt" machen soll.

Quelle: Passauer Neue Presse vom 29.02.2012
Autor: Von Hermann Haydn