Zwei Neue im Hörsaal

5.2.2015 |

Die Professoren Frank Denk und Wolfgang Aumer unterrichten Chamer Studenten

Die beiden Neuen im Hörsaal sind alles andere als reine Theoretiker. Dr. Wolfgang Aumer und Dr. Frank Denk absolvierten ganz handfest eine Elektronikerausbildung, ehe sie an die Hochschule wechselten und Physik sowie Elektrotechnik studierten. Beide verfügen zudem über eine langjährige Berufserfahrung in großen Konzernen. Und nun vermitteln sie den Chamer Studenten ihr praktisches und theoretisches Wissen rund um Mechatronik, Elektronik und Robotik.

 

Indien und Peru: Ihre Studenten kommen aus aller Herren Ländern

Ihre Zuhörerschar ist größer denn je. Seit Oktober bietet der Campus bekanntlich neben dem Bachelor- auch einen Masterstudiengang mit dem Titel "Mechatronische und cyber-physische Systeme" an. Campus-Leiter Professor Peter Firsching hat damit offenbar eine universitäre Lücke entdeckt, denn der Zuspruch war von Beginn an enorm. "Wir hatten 350 Bewerbungen aus der ganzen Welt", berichtet Firsching. Nach dem Auswahlverfahren sitzen nun 70 Studenten in den Hörsälen. Das Gros kiommt aus dem Ausland - bis aus Indien, Pakistan, aber auch Peru.

Das Professorentrio hält die Vorlesungen folglich auf Englisch. "Die Vorbereitungszeit ist dadurch etwas länger, als bei der Vorlesung in Deutsch", bekannt Aumer. Schließlich geht es um so sperrige Themen wie Robotik, Mikrosysteme oder Halbleitertechnik. Der verwendete Wortschatz ist folglich sehr fachspezifisch. Außerdem sitzen ihm gegenüber auch keine Muttersprachler. Aumer ist sicherheitshalber dazu übergegangen, vieles an die Tafel zu schreiben - um Missverständnisse auszuschließen.

Die Nachfragen seiner Studenten betreffen beileibe nicht nur die Mechatronik. "Wir sind oft auch Ansprechpartner für ganz alltägliche Fragen", berichtet Aumer. Schließlich muss ein junger Inder erst einmal wissen, wo er seine Bahnfahrkarte kaufen kann und wie das in Bayern mit dem Eröffnen des Bankkontos läuft.

Campus ist mittlerweile voll belegt: Auf der Suche nach Ausweichhörsälen

Gewieft sind die angehenden Akademiker jedenfalls. Das stellt auch Denk fest: "Die jungen Leute sind ausgesprochen gut vernetzt und sehr erfinderisch." Der Professor erzählt das Beispiel einer Wohngemeinschaft, die eine Gruppe Inder in Gleißenberg gegründet hat. "Die kommen jeden Morgen mit einem Kleinbus, den sie sich besorgt haben", erzählt Denk lachend.

Einiges Organisationstalent war auch im Vorfeld nötigt, um die jungen Leute überhaupt unterzubringn. Studentenappartements sind im Landkreis Cham bekanntlich Mangelware. "Ich hatte wirklich Sorge, ob das klappt", bekennt Firsching. Doch mit Semesterbeginn waren alle Neuzugänge versorgt. Der Campus hat nun zusätzlich eine Assistentin eingestellt, die sich um außer-schulische Fragen der Studenten kümmert. Auch einen jungen Inder mit guten Deutschkenntnissen beschäftigt die Hochschule als Kümmerer.

Das nächste Projekt, um das sich Firsching annehmen wird, ist die räumliche Sitation. In Campus wird es nämlich eng. Im Sommersemester startet ein weiterer Masterstudiengang. Parallel dazu laufen die Bachelorjahrgänge weiter. "Wir stoßen an räumliche Grenzen", weiß der Professor. Eine denkbare Lösung wären die Klassenzimmer in der benachbarten Berufsschule, die am Nachmittag teils frei sind.

Aumer kehrt über Umwege zurück ins heimatliche Rettenbach

Derzeit hat der Ableger der Hochschule Deggendorf vier kleine und einen großen Hörsaal zur Verfügung. Das Arbeitsumfeld der neuen Professoren. Für Aumer ist es eine Rückkehr n die Heimat, der 41-Jährige stammt aus Rettenbach. Nach der mittleren Reife an der Realschule Roding absolvierte er eine Ausbildung als Elektroniker bei Bosch in Regensburg. Dem ehrgeizigen Bayerwaldler war das nicht genurg: Er machte an der BOS Cham sein Abitur und studierte Elektrotechnik. Sein Master legte er an der TU München ab. Danach zog es ihn nach Dresden, er arbeitete dort als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl Agrarsystemtechnik. Als er auf die freie Professorenstelle in Cham aufmerksam wurde, bewarb er sich. Nach einem harten Auswahlverfahren mit Probevorlesungen, englischem Fachvortrag und psychologischem Test bekam er die Stelle zum 1. August.

Sein Büro teilt er sich mit dem zweiten Neuzugang. Denk, in Obertraubling daheim, hat ebenfalls erst eine Ausbildung gemacht, ehe er Physik studierte. 25 Jahre war der Vater dreier Kinder für verschiedene Entwicklungsprojekte bei Siemens und Conti verantwortlich. Und nun eben der Hörsaal. Denk lacht: "Mit 51 Jahre ist es gut, sich noch mal zu bewegen."

Quelle: Chamer Zeitung