Der Campus wird zu klein

5.2.2015 |

Bewerberandrang für Masterstudiengang - Lehre und Forschung laufen künftig getrennt

Das Kind wächst und gedeiht! Mittlerweile ist die Studentenzahl am Chamer Campus so groß, dass die Verwaltungsstruktur angepasst werden muss. Forschung und Lehre laufen künftig strikt getrennt: Professor Wolfgang Aumer übernimmt die Leitung des Technologiecampus, Professor Peter Firsching trägt die Verantwortung für das Studienzentrum.

Dabei hat der Studienort in der Badstraße einige Höhen und Tiefen hinter sich. Teils stand die Lehre sogar kurz vor dem Aus, nachdem sich viel zu wenige Mechatronikstudenten eingeschrieben hatten und ein kompletter Studienjahrgang gestrichen werden musste.

1200 Bewerbungen lassen sich nicht mehr nebenbei prüfen

Doch jetzt scheint die Technische Hochschule Deggendorf das richtige Angebot für Cham gefunden zu haben: Im Herbst 2018 startete der Masterstudiengang "Mechatronische und cyber-physische Systeme" an der Badstraße. Und siehe da, mehr als 350 Interessenten - vor allem aus dem Ausland - bewarben sich. Letztlich starteten 70 junge Akademiker ihren Masterstudiengang. Zum Sommersemester kommen mindestens noch mal so viele hinzu. "Schon jetzt liegen 1200 Bewerbungen vor. Die wollen sortiert und geprüft sein", berichtet Professor Peter Sperber, Präsident der Deggendorfer Hochschule, bei einem Pressegespräch am Dienstagabend am Campus.

Der Erfolg des neuen Angebots bleibt nicht ohne Folgen. "Die steigende Studentenzahl lässt sich nicht mehr nebenbei managen", weiß Sperber. Professor Peter Firsching, bisher für Forschungscampus und Studienbetrieb verantwortlich, erfährt daher eine Entlasung: Firsching widmet sich fortan komplett dem Studienzentrum und gibt den Bereich der Forschung an seinen Kollegen Professor Wolfgang Aumer ab. Der Rettenbacher ist seit August Professor am Chamer Campus. Ihm zur Seite stehen sechs Laboringenieure, zwei Mitarbeiter in der Werkstatt sowie drei wissenschaftliche Mitarbeiter. Mit Alex Stöger hat Aumer zudem einen engagierten Mann fürs Tagesgeschäft an seiner Seite. Stöger, in Viechtach daheim und mit einem Master in Elektrotechnik in der Tasche, übernimmt im neuen Jahr die operative Leitung des Campus. Aumer wie Firsching werden auch weiterhin Vorlesungen halten.

Firsching bleibt künftig mehr Zeit, um sich um die Studentenschar zu kümmern. Das beginnt bei der Auswahl der Bewerber im Vorfeld und reicht bis zur Betreuung der Studenten während des Jahres. "Ausländische Studierende machen da einfach mehr Arbeit", weiß auch Sperber.  Das beginnt schon bei der Wohnungssuche vor Ort, die einen jungen Mann aus Indien alleine überfordern würde.

Nachbarschaftshilfe: Vorlesungen werden teils in Berufsschule verlegt

Bedenken, dass sich die Hochschule so massiv für ausländische Studenten öffnet, versuchte der Präsident, schon vorab zu entkräften: "Wir bleiben der Campus für die Region." Seiner Überzeugung nach profitiert der Landkreis von den jungen Akademikern aus fernen Ländern. "Die Stadt wird bunter und die Wirtschaft braucht dringend diese Fachkräfte." Sperber hofft, dass ein Gutteil der Masterabsolventen am Ende ihres drei- oder viersemestrigen Studiums vor Ort bleiben und sich einen Job bei den regionalen Firmen suchen.

Eng wird es allerdings durchaus am Chamer Campus. Spätestens , wenn der zweite Masterjahrgang antritt, reichen die Hörsäle nicht mehr aus. Firsching hat daher schon in der Nachbarschaft vorgefühlt und das Gespräch mit Berufsschulleiter Sigi Zistler gesucht. "Unsere Vorlesungen beginnen zum Großteil am Nachmittag und gehen in die Abendstunden. Da lässt sich bestimmt ein Kompromiss mit dem Stundenplan der Schule finden", setzt der Professor auf die Nachbarschaftshilfe.

Quelle: Chamer Zeitung