Unbekanntes Flugobjekt über dem Hochwald

24.9.2012 |

Anwohner rätseln über blinkende Lichter ohne Motorengeräusch - War es vielleicht einen Drohne?


Da hat er seinen Augen kaum getraut: „Drei seltsame Lichter, die nebeneinander langsam blinkten und innerhalb von ein paar Sekunden wieder verschwanden“ , sah der Altreichenauer Stefan Hutterer am Himmel knapp über dem Hochwald, als er am vergangenen Donnerstag zwischen 20.45 und 21 Uhr von seinem Heimatdorf aus Richtung Nordosten in die Haidmühler Region schaute - und er war mit dieser Beobachtung nicht allein „Anfangs dachte ich, ich spinne, aber meine Freundin und ein paar Arbeitskollegen sahen diese Lichter auch und fragten mich, ob bei uns in der Nähe ein Flieger runtergegangen ist“, sagt Hutterer, den das Phänomen umtreibt. „Ich glaube zwar nicht an Ufos, aber trotzdem lässt es mir keine Ruhe.“ Denn ein Flugzeug oder Hubschrauber war es offenbar nicht, was die verblüfften Anlieger da sahen: „Man hörte überhaupt nichts, kein Motorgeräusch oder sonstiges in der Art.“

Eine außerplanmäßige Landung am Hochwald oder gar ein Absturz kommt als Erklärung auch nicht in Frage. „Uns ist nichts dergleichen bekannt“, sagt Anton Rank, Leiter der Polizeistation Waldkirchen, auf Anfrage der Lokalredaktion. Forstbetriebsleiter Michael Held, in dessen Verantwortungsbereich die Lichter wohl blinkten, schüttelt ebenfalls den Kopf. „Ich habe keine Idee, was das gewesen sein könnte“, meint der Forstdirektor. „Es hat kein Geräusch gemacht? Da bin ich am Rätseln“, sagt Thomas Wenninger von der Flugleitung/Luftaufsicht des Vilshofener Flugplatzes. Maschinen der Luftwaffe oder Rettungshubschrauber, die theoretisch niedergehen könnten, seien deutlich hörbar. Dass Privatpiloten oder Geschäftsleute unterwegs gewesen sein könnten, hält Wenninger zudem für eher unwahrscheinlich, da diese in der Regel nicht in der Dunkelheit fliegen würden.

Experte vermutet Test eines Modellbauers

Einen Erklärungsversuch liefert indes Stefan Hutterer selbst. „Eventuell sah es aus, als wäre es eine Drohne gewesen - aber hier im tiefsten Bayerischen Wald?“

Dass der Altreichenauer mit dieser Vermutung richtig liegen könnte, meint Dr. Patrick Reidelstürz, Leiter der Arbeitsgruppe „UAV (die Abkürzung steht für unmanned aerial vehicle und bedeutet unbemanntes Luftfahrzeug, die Red.) und Fernerkundung“ des Technologiecampus Freyung, die Drohnen in der Forschung einsetzt, um Geodaten zum Beispiel für den Einsatz in der Land- und Forstwirtschaft zu ermitteln.„Den wenigsten ist bekannt, dass der sogenannte Multikopterbau zur Zeit auch im Modellbaubereich boomt. Mittlerweile haben sogar die renommierten Modellbauhersteller solche ,Drohnen‘ regulär im Angebot. Man findet sie immer wieder auch auf fast jedem Modellflugplatz.“

Blinkende LEDs würden dabei sehr gerne zur Statusanzeige bestimmter Flug- oder Systemzustände verwendet. Und: „Die modernen Brushlessmotoren und CAM/CAD-Propeller bzw. -Rotoren sind heute so leise, dass man sie bei etwas Wind in einer Entfernung von etwa 20 bis 30 Meter n nicht mehr hört.“

Durch die Entwicklung und Verfügbarkeit sehr heller und stromsparender LEDs sei unter Modellfliegern hin und wieder auch „Nachtfliegen“ ein Thema - „die rechtliche Situation mal außen vorgelassen“, so Dr. Reidelstürz. „Da ein Multikopter in der Regel stabilisiert und sehr sicher fliegt, ist Nachtflug durchaus auch im Bereich von Waldrändern und nicht nur auf offenen Flächen denkbar. Möglicherweise wollte auch jemand eine Nachtsicht-Kamera testen. Ich vermute, dass ein Modellbauer mit seinem Multikopter in Ruhe und daher abseits, ungestört einen Flugtest unter Dämmerungs- oder Nachtflugbedingungen machen wollte.“

Quelle: Passauer Neue Presse, 25. September 2012
Autor: Christoph Seidl