Campus: „Frohe Botschaft vor Weihnachten“

13.12.2012 |

Campusleiter des Technologie Campus Freyung Prof. Dr. Dorner äußerte sich positiv zur Eigenfinanzierung - Landrat monierte Kritik an den Campi.

Rückblick, Vorausschau, Kritik und auch ein wenig Hoffnung - so könnte man die Campus-Vorträge in der jüngsten Kreistagssitzung zusammenfassen. Campusleiter Prof. Dr. Wolfgang Dorner vom Technologie Campus in Freyung (TCF) referierte für die Freyunger Einrichtung und Michael Fuchs sprach als Leiter des TAZ Spiegelau (Technologie-Anwender-Zentrum) über die dortige Einrichtung.


„Letztes Jahr war für uns recht erfolgreich“, stellte Dorner für den Freyunger Campus fest. Man habe noch immer sieben Forschungsteams und derzeit würden 36 Personen am Campus arbeiten. Auch mehrere neue Forschungspartner habe man gewinnen können. Vertreten war man als Campus bei verschiedensten Veranstaltungen: von der Matheolympiade, über Jobbörse bis hin zu einer Energietagung in Schärding.

Lenz: „Müssen Kosten abwälzen“

Interessant wurde es, als Dorner zu den Zahlen kam: Die Höhe der Mitteleinwerbung habe 2012 insgesamt rund 1,27 Millionen Euro betragen - durch welche Firmen genau unterliege aber größtenteils der Geheimhaltung. Auch zur einst vereinbarten Anschubfinanzierung (2009 bis 2013) von 4,2 Millionen Euro äußerte sich Dorner: Hiervon habe man bis Ende 2012 voraussichtlich 2,7 Millionen Euro verbraucht und es würden sich somit Restmittel von 1,5 Millionen Euro ergeben - „das ist deutlich mehr, als wir anfangs vermutet hatten“. Weil zudem zu erwarten sei, dass die Restmittel bis zum Ende der Anschubfinanzierungszeit (Ende 2013) noch nicht aufgebraucht seien, habe man nun an gegebener Stelle einmal nachgefragt, ob die noch übrigen Mittel dann Ende 2013 verfallen würden oder ob diese dann als Rücklagen ab 2014 zur Verfügung stehen würden.

Dann, also ab 2014, rechne man mit folgenden Kosten für den Campus: Miete (700 Quadratmeter): 42 000 Euro, Internet-Standleitung: 14 000 Euro, Stab: 70 000 Euro, Sonstiges: 25 000 Euro - „damit ergeben sich Gesamtkosten von 151 000 Euro pro Jahr“, so Dorner. Auch dankte er dem Landkreis für die finanzielle Unterstützung und das zur Verfügung stellen von Räumen. Doch jetzt sei es an der Zeit „weiterzudenken“ und sich zu fragen, „wie es in Zukunft ausschauen soll“.

Um möglichen Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen beziehungsweise sie an den richtigen „Adressaten“ zu verweisen, sagte Dorner eindringlich: „Hinter der Marke TCF stecken 36 hervorragende, kompetente Mitarbeiter, die ihr ganzes Herzblut in ihre Arbeit stecken. Deshalb differenzieren Sie bitte: Wenn wir etwas falsch gemacht haben, stehe ich gerne dafür gerade. Grundlegende Kritik am Konzept beziehungsweise an der Politik ist bitte aber auch dorthin zu richten!“ Er wolle nicht, dass die Hochschule öffentlich in schlechtes Licht gerückt werde aufgrund von Kritik, die eben eigentlich an ganz andere Stelle zu richten sei.

„Wollen Kommunen nicht länger belasten“

In der anschließenden Diskussion merkten einige Kreisräte die „eklatante Ungleichbehandlung“ bei den Hochschulstandorten an: So müsse sich Stadt und Landkreis Deggendorf nur zu wesentlich geringeren Teilen an einer dortigen Hochschul-Erweiterung der HDU beteiligen als dies in Freyung-Grafenau der Fall sei. Heinrich Lenz (CSU): „Für uns ist das eine große Belastung. Wir müssen versuchen, die hohen Kosten an den Freistaat abzuwälzen.“ Auch in Teisnach, wo es ebenfalls einen Technologiecampus der HDU gebe, müsse sich der Landkreis Regen nicht beteiligen, so Lenz.

Deshalb wollte Lenz auch wissen, wie es mit der Finanzierung des Freyunger Campus’ denn nach 2013 aussehe, wenn die staatliche Förderung wegfalle. Darauf hatte Campusleiter Dorner eine für die Kreisräte erfreuliche Antwort: „Wir möchten die Kommunen nicht länger belasten. Die Zielsetzung ist: Wir wollen es selber tragen - beziehungsweise wenn, dann steht München in der Pflicht.“ Diese Aussicht, dass der Landkreis in absehbarer Zeit kein Geld mehr zugeben muss, sah auch Kreisrat Dr. Olaf Heinrich als „frohe Botschaft so kurz vor Weihnachten“. Er lobte aber auch die „großartige Leistung“ der Mitarbeiter am Campus und betonte, dass es einige Firmenansiedlungen in Freyung nicht gegeben hätte, wenn der Campus nicht vor Ort gewesen wäre. „Wir als Stadt haben jeden Euro, den wir dem Campus gegeben haben, gerne gegeben“, so Heinrich.

Nach den Vorträgen rund um den Campus in Freyung war schließlich das TAZ in Spiegelau an der Reihe. Eingangs betonte Landrat Lankl, dass es in den vergangenen Tagen „ja sehr viel Kritik“ über das TAZ gegeben habe und meinte damit unter anderem Vermutungen, im TAZ würden doch nur weniger Mitarbeiter als stets angegeben arbeiten oder dass möglicherweise ein großer Partner abgesprungen sei, was für das TAZ ein herber Verlust wäre. Hierzu meinte Lankl, dass man solche Diskussionen wenn dann „nicht öffentlich und fair“ diskutieren solle. „Wenn schon wir uns nicht einig sind, bekommen sonst noch andere Regionen das Geld“, sagte er eindringlich in die Runde der Kreisräte.

TAZ-Leiter Michael Fuchs widerlegte anhand von Zahlenmaterial dann auch Vermutungen, „dass wir fast gar keine Mitarbeiter haben“. Dies sei natürlich nicht der Fall: Derzeit würde man acht Personen am TAZ beschäftigen. Für 2013 sind insgesamt elf geplant.

Praktikanten/Studenten habe es 2012 einen gegeben. Für kommendes Jahr sind vier geplant. Auch zwei Doktoranden - heuer gab es keinen - sind für 2013 angedacht. Die Eigenfinanzierungsquote steigt laut Fuchs ebenfalls: von null Prozent in 2011, über 20 Prozent in 2012 bis hin zu geplanten 40 Prozent in 2013.

TAZ: „Nicht für Wahlkampf benutzen“

An diversen Veranstaltungen habe man 2011 und 2012 teilgenommen: Vorträge, Info-Tag, Betreuung von Besuchergruppen, Kinderuni, etc. Letzteres sei auch für kommendes Jahr geplant. Außerdem wolle man dann auch einen Tag der Technik initiieren, genauso wie einen Tag der Schulen. Angedacht ist auch, Kontakte nach Österreich zu verstärken sowie einen Tag der offenen Tür zu veranstalten.

Auch Josef Luksch als Bürgermeister der Gemeinde Spiegelau lobte die Arbeit des dortigen TAZ und kritisierte aber auch die stets sehr hohen Erwartungen: „Das TAZ in Spiegelau ist noch so jung - und es wird schon so viel davon erwartet.“ Er wundere sich über so manches „Wahlkampfgetöse“ und wolle dafür sorgen, dass die wichtige Einrichtung TAZ „nicht zum Wahlkampfthema mutiert“.

Abschließend betonte Landrat Ludwig Lankl die positiven Vorzüge der Campi im Landkreis und erklärte, dass man anfangs belächelt wurde für die Idee eines Campus‘ im ländlichen Raum - „mittlerweile hat sich das aber als Erfolgsmodell herausgestellt“, so Lankl und Helmut Behringer und Gerhard Drexler schlossen sich dieser Meinung an.

Quelle: Passauer Neue Presse, 14. Dezember 2012
Autor: Jennifer Jahns