Strom statt Sprit

28.3.2014 |

 

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Bisher setzen im Landkreis kaum Autofahrer auf E-Autos - Wissenschaftler: „E-Auto reicht fur 95 Prozent der Fahrten"

Die Bilanz für die Region ist mager: Lediglich acht von insgesamt 78.092 im Landkreis zugelassenen Fahrzeugen haben einen reinen Elektroantrieb. Gerade bei Privatpersonen scheint E-Mobilitat noch nicht attraktiv zu sein. Nur drei der acht Fahrzeuge sind auf Privatpersonen zugelassen. Die übrigen fünf befinden sich in Firmenhand.

 

Dem E-Auto aber soll die Zukunft gehören. Doch wie steht es um Infrastruktur, Nutzerfreundlichkeit und Leistungsfahigkeit der E-Autos? Die PNP hat sich bei einem privaten Nutzer, Kommunen, der Wissenschaft und bei E-Wald umgehört.

Der Privatnutzer

Nur ein leichtes Surren ist zu hören, wenn Hans-Peter Neumaier aufs Gaspedal drückt. Anfangs habe er die typischen Motorengeräusche eines Verbrenners schon vermisst, „aber man gewöhnt sich schnell an die Ruhe beim Autofahren". Seit Dezember fährt Neumair mit dem E-Auto seines Arbeitgebers nach Feierabend auch privat durch den Landkreis. Tagsüber nutzen die Mitarbeiter der Sparkasse Freyung den Fünftürer für Dienstfahrten. „Ich wollte em E-Auto schon lange mal ausprobieren", sagt Neumair. Da kam das E-Wald Mitarbeitersharing-Modell seines Arbeitgebers gerade recht.

Die Abstimmung während des Arbeitstages klappt reibungslos. Neumair stellt den Wagen ab 8 Uhr morgens für Dienstfahrten zur Verfügung, ab 16 Uhr kann der Bankangestellte mit seinem Auto wieder nach Hause fahren. Sein Fazit nach rund drei Monaten ist positiv. Rund 90 Prozent der Fahrten kann Neumair mit dem E-Auto zurücklegen. „Wir nutzen den Wagen privat als Zweitwagen. Die Reichweite des E-Autos von etwa 100 Kilometern reicht völlig aus", so Neumair. Neben Fahrten zum Einkaufen, nutzt der Neuschänauer den Wagen für die rund 18 Kilometer lange Strecke zu sei-nem Arbeitsplatz. Ein eigenes E-Auto will sich Hans-Peter Neumair allerdings nicht zulegen. „Der deutlich höhere Anschaffungspreis gegenüber einem Diesel oder Benziner und die geringe Reichweite, die Fahrten in den Urlaub verhindert, machen einen Kauf nicht wirklich attraktiv."

Der E-Dienstwagen

Emissionsfrei im Dienst unterwegs ist seit Jahresanfang die Gemeinde Hohenau. Im Januar wurde zudem eine öffentliche Ladesäule in der Gemeinde in Betrieb genommen. „Wir sind sehr zufrieden, die 120 Kilometer Reichweite genügen für unsere Zwecke", so Gemeindegeschäftsleiter Andreas Seidl. Gemeindemitarbeiter und Bürgermeister Eduard Schmid nutzen das Fahrzeug.
Bereits seit August 2013 fahren die Mitarbeiter der Gemeinde Perlesreut mit dem gemieteten Dienstwagen von E-Wald schadstofffrei. „Wir sind vom Konzept der E-Mobilität überzeugt und wollen das unseren Bürgern aktiv vorleben", so Bürgermeister Manfred Eibl.

Für die Gemeinde ist das Öklogisch wie ökonomisch ein guter Deal. In der Leasingrate von 300 Euro seien alle Versicherungen, Steuern sowie größere Reparaturen bereits enthalten, heißt es von der Gemeinde. Da der Strom aus der neuen E-Wald-Ladesäule kommt, ist er gratis. Doch bis die Ladesäule endlich in Betrieb genommen werden konnte, habe es mehrere Monate gedauert, so Eibl. „Wir waren zum Teil sehr erbost über die verzögernden Lieferschwierigkeiten."

Die Abstimmung unter den Mitarbeitern läufe hingegen reibungslos. Damit das System künftig auch reibungslos läuft, soll es einen für alle Mitarbeiter einsehbaren öffentlichen „Nutzer-Kalender" geben.

Einziger Kritikpunkt der beiden Gemeinden ist ein fehlendes flächendeckendes Netz mit Schnellladesäulen. Nur dann könnten die E-Autos mit der geringen Reichweite effizient eingesetzt werden, heißt es aus Hohenau und Perlesreut.
Bislang nutzen ausschließlich Mitarbeiter der Verwaltung, des Bauhofs und der Bürgermeister das E-Auto für Dienstfahrten. Damit das E-Auto außerhalb der Dienstzeiten und am Wochenende ebenfalls genutzt wird, möchte die Gemeinde Perlesreut ab dem Frühjahr das Fahrzeug als Bürger-Kfz anbieten.

Das Carsharing

Geht es nach der E-Wald GmbH, sollen schon bald auch zahlreiche Bürger und Gäste in Freyung das mit Strom betriebene Fahrzeug nutzen. Seit gestern steht es bereit. Deshalb wurde im Parkhaus an der Bahnhofstraße auch eine extra Ladestation installiert. „Wir sehen ein großes Nutzerpotenzial für Freyungs Bürger sowie im touristischen Bereich", so Anton Achatz, bei E-Wald für das operative Geschäft verantwortlich. Geht es nach E-Wald, soll zunächst mit einem Auto gestartet werden. „Wenn der Bedarf groß genug ist, können wir die Flotte aber jederzeit erweitert."

Theoretisch könnten die Stromtankstellen im Parkhaus an der Bahnhofstraße auch schon seit Anfang März genutzt werden. Die Säulen wurden in der ersten Märzwoche in Betrieb genommen. Doch ein gelbes Absperrband verhinderte über Wochen die Zufahrt zu den Ladesäulen im Parkhaus. Da die für E-Autos reservierten Parkplätze noch nicht ausgeschildert waren, habe man das Flatterband angebracht um „Falschparken" zu verhindern, heißt es von E-Wald - dafür war die Stadt Freyung verantwortlich.

Doch auch die Stadt Freyung klagt über Verzögerungen. „Die Säulen stehen seit Dezember, geplant war die Inbetriebnahme Ende Februar, jetzt wurde es Ende März, bis die Anlage eröffnet werden konnte", so Hubert Wachter von der Stadt Freyung. Gestern aber war es dann end-lich soweit.

Die Wissenschaftler

Dass dem E-Auto die Zukunft gehört, davon ist Wolfgang Dorner, Professor für Informatik räumlicher Systeme an der Technischen Hochschule Deggendorf, überzeugt. Seit September 2013 widmet sich der Wissenschaftler am Technologie Campus Freyung mit semen Mitarbeitern dem Thema Energieversorgung. „Ein E-Auto produziert an sich keinerlei Emissionen, doch um es zu 100 Prozent schadstofffrei zu bekommen, muss auch der Strom CO2 - neutral erzeugt werden", sagt Dorner. Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, wie für die Versorgung der E-Wald-Flotte regenerative Energie optimal produziert und genutzt werden kann.

Der Mensch im Mittelpunkt

Um Verbrauch und Fahrverhalten zu testen, benutzen die Mitarbeiter des TC Freiyung ein strombetriebenes Fahrzeug der E-Wald Flotte für Dienstfahrten. Die Mitarbeiter decken mit dem Kleinwagen, dessen Reichweite je nach Jahreszeit zwischen 70 und 100 Kilometer beträgt, Fahrten nach Deggendorf, Passau und innerhalb des Landkreises ab. In der Regel reicht der Akku für alle Fahrdistanzen aus. „Natürlich haben wir den Vorteil, dass zwischen Ankunft und Abfahrt wegen Besprechungen oder Workshops oft mehrere Stunden liegen, in denen das Auto aufgeladen werden kann", so Dorner.

Bei den Dienstfahrten wird unterwegs das E-Wald-Ladestationennetz gut genutzt. „Ein unbedarftes einfach drauf los Fahren ist natürlich schwierig, doch wir wissen, wo unsere Ladesäulen stehen, und planen unsere Fahrten gründlich", beschreibt Dorner das Fahrverhalten. Die Diskussion um die noch geringe Reichweite von E-Autos, kann Dorner schwer nachvollziehen. „Eine Studie des Frauenhofer-Institutes belegt, rund 95 Prozent der täglich absolvierten Fahrten bewegen sich zwischen 5 und 50 Kilometern." Peripherie und E-Auto - für den Experten auch aus eigener Erfahrung kein Widerspruch.
Dem Kostenargument für die teuere Anschaffung eines Elektroautos hat Dorner auch etwas entgegenzusetzen. „Die Stromkosten für ein mal Vollladen, sind deutlich günstiger als eine Tankladung." Und wer zum Stromerzeugen die eigene Photovoltaikanlage nutze, helfe der Umwelt und dem Geldbeutel.

Quelle: PNP vom 28.03.2014
Autor: Von Verena Wannisch