Windenergie – ohne Bürger dreht sich nichts

21.8.2014 |

20140821-windenergieWagensonnriegel: Bürgermeister Roth spricht von offenem Prozess– Bevölkerung durch Informationen einbinden

„Windenergie in Bürgerhand“, so hieß die Infoveranstaltung der Bürgerenergie FRG eG, die in Klingenbrunn stattfand. Das Interesse war groß, es war ein Riesenerfolg für die Veranstalter und zugleich informativ für die mehr als 100 gekommenen Zuhörer aus dem ganzen Landkreis FRG, aus den Gemeinden Kirchdorf und Rinchnach.

 

Der aktuelle Anlass hierzu waren bekannt gewordene Planungen für eine Windkraftanlage am Wagensonnriegel, die der Regionale Planungsverband Donau- Wald bereits veröffentlicht hat. Für ein solches Projekt hatten bereits die Stadtwerke München zu einer Infoveranstaltung nach Kirchdorf i. Wald eingeladen, unter anderem mit den Bürgermeistern aus Frauenau, Rinchnach und Kirchdorf i. Wald. Der Bürgermeister aus Spiegelau Karl-Heinz Roth war dazu nicht geladen.

In seinem Grußwort deutete der auch an, dass er an ein behutsames Herangehen mit Bedacht und unter Einbindung der Bürger seiner Gemeinde diesem Vorhaben gegenüberstehen werde.

Der Vorstandsvorsitzende der „Bürgerenergie“ Hans Madl Deinhart erläuterte zu Beginn, warum dieses Thema für seine Organisation so wichtig sei. Der Atomausstieg sei beschlossen, und auch der Strom aus Kohle belastet die Umwelt. So müsse neben Energieeinsparung und Effizienzsteigerung die Nutzung erneuerbarer Energie in unserer Region Vorrang erhalten. Zielsetzung sei also eine dezentrale, eigenverantwortliche, demokratische und umweltverträgliche Energiegewinnung, „die auch unsereRegion stärken wird“.

Thomas Mader (Vorstandsmitglied) sprach über die Gegebenheiten, wie sie sich als Windenergie Wagensonnriegel zur Zeit darstellen. Der Wagensonnriegel (959 Meter) ist ein Höhenzug zwischen den Gemeinden Klingenbrunn, Frauenau, Rinchnach und Kirchdorf i. Wald. Die zu bebauende Fläche liege im Hoheitsgebiet der Bayerischen Staatsforsten. Der Windparkbereich wäre von Klingenbrunn aus durch bereits ausgebaute Wege gut erreichbar und es wären keine Wasserquellen in unmittelbarer Nähe. Der Abstandsradius von 800 Meter, bzw. 2000 Meter würde keine bebaute Fläche berühren.

Hans Beringer, Mitglied des Vorstandes der „Bürgerenergie“, erinnerte eindringlich an unsere Verantwortung für die Zukunft, denn es sei evident, dass der Klimawandel und die Erschöpfung konventioneller Ressourcen (Kohle, Öl) oder risikoreiche Endlagerungen „zusehends uns und besonders unsere Nachfahren immer mehr belasten und deshalb gilt es dagegenzusteuern“.

Bevor dieses Projekt am Wagensonnriegel realisiert werden könne, müssen entsprechende Gutachten eingeholt werden, wie ein Schallgutachten, Schattengutachten, Windgutachten und ein Naturschutzgutachten. Als Zielsetzung sei also angestrebt: Lokaler Beitrag für ein globales Problem.

Bernhard Pürzer von der Bürgerenergiegenossenschaft „Jurenergie“ zeigte an einem Beispiel aus dem Landkreis Neumarkt/ Opf. konkret auf, wie die Entwicklung einer Windkraftanlage Schritt für Schritt ablaufen könnte. Hierbei sprach er insbesondere die Problemfelder an, die sich ergeben werden, wie Genehmigung, Projektierung, Finanzierung, Bau und schließlich Unterhalt.

Einen informativen Beitrag leistete zu dem ganzen Komplex dann Andreas Scharf von der Fa. OSTWIND mit Sitz in Regensburg. Bei Planung und Bau setzt OSTWIND von Beginn an auf Information und Transparenz. Es werden die Fragen der Bürger/- innen beantwortet und alle Schritte werden eng mit den Beteiligten vor Ort abgestimmt: mit Behörden und Kommunalparlamenten und Grundstückseigentümern. Ein Markenzeichen von OSTWIND sei es, so führte er weiter aus, „dass wir bevorzugt Firmen aus der Region mit der Bauausführung beauftragen“. Schritt für Schritt dokumentierte er anschaulich mittels einer Powerpointdarstellung die Umsetzung eines solchen Projektes. Wagensonnriegel: Bürgermeister Roth spricht von offenem Prozess– Bevölkerung durch Informationen einbinden Im günstigsten Falle könne man das Vorhaben in drei Jahren verwirklichen. Strom aus Windkraftanlagen sei sehr billig, nämlich nur 7 ct/KW. Auch er appelliertezumSchluss an die Zielsetzung, CO2 zu vermeiden mit dem Hinweis: „Wir können so nicht weiter machen.“

Nachfolgend hatten die Bürger das Wort und Fragen verschiedenster Art wurden beantwortet. Bürgermeister Karl- Heinz Roth nahm den Ball gerne auf, der ihm als verantwortlicher Kommunalpolitiker zugespielt wurde. Er werde sich auf keine Festlegung vorab einlassen und die weiteren Schritte wolle er in Infoveranstaltungen gemeinsam mit den Bürgern gehen. Ihm sei bewusst, dass letztlich der Gemeinderat das letzte Wort habe, wenn das Landratsamt grünes Licht zu diesem Projekt erteile.

Es kristallisierte sich bei weiteren Fragen heraus, dass die Bayerischen Staatsforsten Projekte mit Bürgerbeteiligung, wie hier, bevorzugen, wenn sich positive Ansätze dazu ergeben.

Die Frage nach einer Lärmbelästigung wurde von den Verantwortlichen zu 100 Prozent verneint , da sich die Rotoren nur sehr langsam drehen würden. Als Zufahrt zum Windpark genüge eine 4,5 Meter breite Straße, die 12-Tonnen-Achslast aushalte. Die Fundamente würden bis zu einer Tiefe von vier Metern gebaut. Für die Erhaltung der Anlage werde die Betreibergesellschaft verantwortlich sein und schon beim Start werde eine Rückbaubürgschaft fällig. Die Anlagen würden in der Regel nach 20 Jahren genau überprüft. Die weiteren Befürchtungen der Anwesenden drehten sich unter anderem über die optische Beeinträchtigung des Landschaftsbildes.

Der Meinungsaustausch verlief äußerst diszipliniert. Alle Argumente aus den konträren Positionen waren jeweils durchaus nachvollziehbar, aber immer ohne Aggression vorgetragen. Das sieht auch Bürgermeister Roth auf Anfrage des Grafenauer Anzeiger so: „Ich habe selten eine so sachliche Diskussion erlebt. Die Bürger waren kritisch, im positiven Sinne, keine fundamentalen Gegner. Und es ist absolut nachvollziehbar, dass die Wertschöpfung in der Region bleiben soll.“

Quelle: Passauer Neue Presse vom 12.08.2014
Autor: Franz Stockinger