Ministerrat kürt digitale Modelldörfer

4.10.2016 |

 

2016 12 13 digitales dorfMdL Tobias Reiß, Staatsministerin Aigner und Staatsminister Brunner

Spiegelau-Frauenau und Steinwald-Allianz setzen sich im eDorf-Wettbewerb durch

Die zwei Gewinner des Wettbewerbs stehen fest: Aus den 20 umfangreichen Bewerbungen um ein digital-unterstütztes Modelldorf setzten sich in Südbayern die Bewerbung des Gemeindeverbunds Spiegelau-Frauenau (Landkreise Freyung-Grafenau und Regen) und in Nordbayern die Steinwald-Allianz (Landkreis Tirschenreuth) durch. In den nächsten zwei Jahren sollen hier Vorbild-Kommunen entwickelt werden, in denen mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationstechnologien neue Services und Anwendungen geschaffen werden, die die Lebensbedingungen im ländlichen Raum, speziell für Senioren, aber auch Familien verbessern.

„Mit dem Projekt eDorf wollen wir die Chancen der Digitalisierung im ländlichen Raum nutzen. Dafür setzen wir in den kommenden vier Jahren 5 Millionen Euro ein. Dabei decken wir bewusst unterschiedliche Handlungsfelder ab, von Mobilität über haushaltsnahe  Dienstleistungen und Bildungsangebote bis hin zur Nahversorgung“, sagte Wirtschaftsministerin Ilse Aigner. Bereits im April beschloss die Bayerische Staatsregierung unter Federführung des für Digitalisierung zuständigen Wirtschaftsministeriums die Umsetzung je eines digitalen Modelldorfs in zusammenhängend ländlich geprägten Regionen in Nord- und in Südbayern. Durchführende Partner sind der Technologiecampus Grafenau der Technischen Hochschule Deggendorf und die Fraunhofer Gesellschaft für Integrierte Schaltungen IIS in Nürnberg.

In einem zweistufigen Wettbewerb konnten sich aus »Räumen mit besonderem Handlungsbedarf« alle bayerischen Gemeinden mit mehr als 2.000 Einwohnern - ohne Mittel- und Oberzentren - bewerben. Neben umfangreichen Projektbeschreibungen aus verschiedenen Handlungsfeldern, mussten bereits Absichtserklärungen aller Partner und Umsetzungspläne eingereicht werden. In Südbayern gingen neun Bewerbungen von insgesamt 23 Gemeinden ausschließlich aus Niederbayern ein, in Nordbayern beteiligten sich 59 Gemeinden im Rahmen von 11 Bewerbungen aus den Regierungsbezirken Oberpfalz, Unter- und Oberfranken. Eine sechsköpfige neutrale Jury aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kommunalpolitik bereitete eine Empfehlung für die beiden Modelldörfer vor, über die der Ministerrat nun entschied. Bis Ende Februar 2017 werden die Gewinner-Gemeinden gemeinsam mit den Projektpartnern ihre Projektideen weiter ausarbeiten und die Konzeptinhalte schärfen. Ab März 2017 wird mit der Umsetzung der Projektideen begonnen; bis Mitte 2018 ist die Realisierung wesentlicher Projektinhalte geplant.

In Südbayern bereitet der Gemeindeverbund Spiegelau-Frauenau gemeinsam mit dem Projektteam des Technologiecampus Grafenau die weitere Ausarbeitung vor. Das Vorhaben verfolgt einen umfassenden Ansatz aus sieben Maßnahmenfeldern: Telemedizin, digitales Rathaus, Dorfshuttle, Nahversorgung durch ein Bestell- und Liefersystem im Lebensmitteleinzelhandel, Wohnwelten für unterschiedlich pflegebedürftige Zielgruppen, Digitale Lehr- und Bildungsangebote und ein Telearbeitszentrum. Welche Inhalte konkret umgesetzt werden sollen, wird in den nächsten Wochen unter Bürgerbeteiligung festgelegt.

Im Rahmen des Projektes soll unter anderem ein ganzheitliches vernetztes Medizin- und Pflegenetzwerk für alle Bürger entstehen, das von einer Informationsplattform über Telemedizinanwendungen bis zur Gemeindeschwester unter Einbindung ehrenamtlichen Engagements reicht. Digitalisierung und technologische Unterstützung sollen aber vor allem älteren Menschen oder Menschen mit Handicap ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden im ländlichen Raum erleichtern. Die Medizin soll zum Menschen kommen – und nicht umgekehrt; aufwändige Wege zu Fachärzten können ggf. über neuartige Anwendungen reduziert werden.

In Nordbayern entwickelt die Fraunhofer Gesellschaft gemeinsam mit der Steinwald-Allianz deren Projektideen weiter. Im Mittelpunkt steht hier die Vernetzung der örtlichen Anbieter regionaler Produkte und Dienstleistungen mit der Bevölkerung. Daran angeschlossen ist unter dem Titel „mobiler Bauernmarkt“ ein lokales Belieferungskonzept, welches zum Ziel hat, neben der Verbesserung der Nahversorgung auch Arbeitsplätze zu erhalten oder gar zu schaffen. Kern des Projektes stellt die Entwicklung einer digitalen Plattform dar, die Kunden, Betreiber und Erzeuger miteinander vernetzt, Daten austauscht und Touren plant. Zentrale Anlaufstelle wird der örtliche Dorfladen sein. Perspektivisch besitzt die Projektidee eine hohe Anschlussfähigkeit und kann durch weitere Dienstleistungen, z. B. aus dem Gesundheitssektor oder im Bereich haushaltsnahe Dienstleistungen, ergänzt werden. So soll z.B. eine Wohn- und Technikberatung für selbstbestimmtes Wohnen im Alter zuhause verknüpft werden.

Digitalisierung ist eine Chance für die Stärkung des ländlichen Raums. Sie bietet vielfältige Möglichkeiten, Daseinsvorsorge, Mobilität und Lebensqualität nachhaltig zu sichern und zu verbessern. Das Projekt zielt auf „Digitalisierung zum Anfassen“ und soll mit praktikablen Beispielen dazu beitragen,  modellhafte Zukunftsstrategien für den ländlichen Raum zu schaffen, die auch in anderen Regionen zum Einsatz kommen können.

Damit nicht nur die Gewinner, sondern alle Gemeinden frühzeitig von den durchgeführten Projekten profitieren und eigene Initiativen und Erfahrungen präsentieren können, wird eine »eDorf-Community« ins Leben gerufen. Allen interessierten Gemeinden steht die Teilnahme an dieser Plattform offen, die Anfang 2017 aktiv werden soll und dem Erfahrungsaustausch, der Kontaktanbahnung, der Vermittlung von Best Practices und über einen »eDorf-Atlas« der Darstellung in der Öffentlichkeit dient. Weitere Informationen unter: www.edorf.bayern

13. Dezember 2016 | THD-Pressestelle (TK)